30 Jahre Sachverständiger für Kraftfahrzeuge

MANFRED KAEUFER

Unfallgutachten - Überprüfung von Radarmessungen

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Awarenchronik

Gegen Ende der Völkerwanderung bis 796 n.Chr. beherrschten die Awaren den Wiener Raum, sowie ganz Pannonien.
Die Awaren sind ein Volk in Dagestan und Aserbaidshan, das die kaukasische Sprache Awarisch spricht. Die Awaren sind ein anthropologisch stark gemischtes Volk, in dem sowohl mongolide als auch europide Typen vertreten sind. Sie lebten ursprünglich als Nomaden, wurden später jedoch sesshafte Viehzüchter und Ackerbauern.
Die von den Türken bedrängten Awaren wanderten ab 552 n. Chr. nach Westen aus. 558 wurden sie Föderaten von Byzanz. An der Seite der Langobarden kämpften die Awaren 566 gegen die ungarischen Gepiden und besiedelten anschließen das Karpatenbecken. Nachdem die Langobarden 558 nach Italien ausgewandert waren, übernahmen die Awaren die Alleinherrschaft Pannoniens. Ende des 6. Jahrhunderts erstreckte sich das Territorium der Awaren von der Wolga bis hin zur Ostsee. Sie forderten enorme Tributzahlungen vom Byzantinischen Reich. Während dieser Periode waren die Awaren unter ihrem Herrscher Baian Khan wahrscheinlich die stärkste Macht in Europa. Sie beeinflussten die Entwicklung weiter Teile des Kontinents, da sie einen Großteil der Westslawen in die Gebiete drängten, die sie seither besiedeln. Nach dem Tod Baians schwand die Macht der Westawaren durch Angriffe der Slawen und Bulgaren. 791 und 803 wurden sie von Karl dem Großen endgültig geschlagen. Ethnisch gingen die Awaren in den Slawen und den später zugewanderten Magyaren auf.


 

Alanen

Alanen (griechisch Alanoi; lateinisch Alani), antikes Nomadenvolk iranischer Herkunft, das zu Stämmen der Sarmaten gehörte. Sie siedelten zunächst im Steppengebiet zwischen Tanais (Don) und Aralsee. Ab dem 2. nachchristlichen Jahrhundert wanderten sie Richtung Westen in die östlichen Provinzen des Römischen Reiches. Danach teilten sie sich in zwei Gruppen auf, von denen die eine mit den germanischen Stämmen weiter nach Westen bis nach Gallien und Spanien zog, sich dort mit den Wandalen Geiserichs vereinigte und schließlich nach Nordafrika übersetzte. Die andere Gruppe wanderte nach Osten und ließ sich in den Kaukasusregionen nieder, wo ihre Nachkommen noch heute als Osseten leben.

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Hunnisch

Hunnische Sprache - Lexikon
... war die Sprache der Turuken. Ihre Herkunft ist bis heute umstritten, vermutlich war sie türkischer Herkkunft: Diese Frühhunnische Sprache wurde erstmals um 1766 v. Chr. in dem damaligen China der Xia-Dynastie aufgezeichnet. Gleichzeitig erschien auch das Volk der Turuk in den chinesischen Quellen. Die überlieferten Begriffe des turukisch-hunnischen Wortschatzes beweisen, dass die Turuk wohl ein Volk türkischer Sprache gewesen sein mußten.Einige von ihnen sind in der nachfolgenden Darstellung aufgeführt: Turuk Deutsch Turuk Deutsch Turuk Deutsch tanry Gott kut Seele byoryu ? ordu Heerlager tug Fahne/Banner kylyç Schwert Es waren, wie wir sehen, vor allem Begriffe des Krieges und der Macht, die die Chinesen damals aufzeichneten; die Turuk Hun (wörtlich übersetzt: "das ehrenvolle Volk") waren eben ein äußerst gefürchtetes und kriegerisches Steppenvolk. Die Hunnische Sprache teilte die Eige ...


Altawarische Sprache - Lexikon
Von der hunno-awarischen Sprache des Mittelalters ist nur wenig überliefert worden. In der Hauptsache sind es Flur- und Personennamen, die erkennen lassen, daß die Awaren wohl Türken waren. Doch ist eine sprachliche Trennung mit der Sprache der Kimeken, Onoguren und der Chasaren kaum möglich, da ein sehr großer Anteil der Alt-Awaren in diesen Völkern aufgingen. Daher könnte man die Sprache der Alt-Awaren zurecht den Westtürkischen Sprachen zurechnen. Aber dem steht entgegen, daß auch die damalige Awarische Sprache viele Eigenschaften des Ogurischen teilte, die diese Sprache wieder in die Nähe des Osttürkischen rückt. Verschriftet waren die Awaren in der türkischen Runenschrift. Siehe auch: Awaren Die altawarische Sprache ist nicht mit dem heutigen Neuawarischen verwan ...


Altuigurische Sprache - Lexikon
Ihrer Sprachgeschichte nach gehörte das Altuigurische zu den osttürkischen Sprachen. Aber aufgrund seiner Grenzlage hatte es zahlreiche Übereinstimmungen mit den benachbarten westtürkischen Sprachen. Zu den unmittelbaren Vorfahren der Uiguren gelten die Stammesverbände der On-Oq, die sich ihrerseits auf die alten Oguren ableiteten.Bezüglich ihrer Sprachgeschichte ist die Altuigurische Sprache derOgurischen Sprachgruppe, das heißt mit der heutigen Westgruppe der Turksprachen, zu zurechnen. Geschichte Das Altuigurische ist in den Inschriften des Orchon und des Jenissej recht gut überliefert worden und gilt im allgemeinen als Mutter der heute als "Osttürkisch" bezeichneten Sprache. Diese Sprachform ist im wesentlichen mit dem K ...


Az - Lexikon
Die Selbstbezeichung war wohl Os oder As. Ihr Herrscher Vakhtang eroberte Georgien und ließ sich schließlich auf dem Gebiet des späteren Aserbaidschan nieder. Die Georgier nannten dieses Volk nun "Ovs" und es ging nun in der Folgezeit in der kaukasischen Urbevölkerung auf. Die Az wurden zum prägenden Element der Region, lagen jedoch in ständigen Grenzstreitigkeiten mit den benachbarten Sabiren. Diese obsiegten schließlich und die Az gingen in diesen noch im 5. Jhd. auf. Die Reste zogen schließlich in die asiatischee Urheimat zurück, wo sie noch im 7. Jhd. als Teil der Göktürken erwähnt werden. This article is from Wikipedia. The whole text above is available under the terms of the GNU Free Documentation License. Achtung:


Chioniten - Lexikon
... ein Stamm Hunnischerer Herkunft. Sie waren ursprünglich Teil der einstigen "Turan-Hunnen". Die Chioniten werden zur Zeit von Schapur II. (309-79) von den Persern erwähnt. Der Grieche Priskos verzeichnet für diesen Zeitraum jedoch die Kidariten, die dieselbe Region wie die Chioniten besiedeln hätten. Im Jahr 350 griffen die Chioniten Schapur II. an und ab 360 waren sie mit einiger Sicherheit die neuen Herren Baktriens. Auch die Gupta mußten sich mehrmals mit den Chioniten auseinandersetzen. Die Chioniten werden als Hunnisch bezeichnet. Man bemerkt aber daß sie laut einer römischen Quelle wie die Kang-kü (Sogder) ihre Toten verbrannt hätten, was auf eine Vermischung mit älteren Gruppen hindeutet. Die Chioniten wurden gegen 450 von den Hephthaliten abgelöst, wobei die Datierung hier umstritte ...


Geschichte Aserbaidschans - Lexikon
Der Volksstamm ist möglicherweise der Namensgeber des Gebietes, so dass Aserbaidschan Herrschaft der Az bedeutet. Eine andere Erklärung leite den Namen vom persischen Satz Land des Feuers ab, der sowohl auf die seit dem Altertum bekannten Petroleum-Vorkommen als auch auf den Zoroastrismus verweisen soll. Im 3. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Hunnenreich des Attila, und bereits im 4. Jahrhundert lassen sich die Sabiren (ein alttürkisches Volk Hunnischer Herkunft) in Aserbaidschan nachweisen - diese lagen in blutigen Stammeskriegen mit den benachbarten Chasaren und Kumanen. Im Jahre 643 fielen die Araber in dieses Gebiet ein und führten es dem Islam zu - damit gehört Aserbaidschan zu den ältesten muslimischen Gebieten der Welt.  ...


Geschichte der Mongolei - Lexikon
.Wir verzeichnen folgende Stammeskonföderationen als Herren der mongolischen Hochebene, die zum Teil gleichzeitig auch in China regierten. Besonders bemerkenswert ist dabei die mongolische Staatsgründung unter Dschingis Khan 1206, mit ihrem Gesetzbuch, der Jassa. Hsiung-nu 3. Jhrd. v. Chr - 1. Jhrd. Sien-pi 1. Jhrd. - 4. Jhrd. Rouran 4. Jhrd. - 6. Jhrd. Kök-Türken 6. Jhrd. - 8. Jhrd. Uyghuren 8. Jhrd. - 9 . Jhrd. Kirgisen 9. Jhrd. - 10. Jhrd. Kitan (vgl. Liao-Dynastie) 10. Jhrd. - 12. Jhrd. Mongolen (vgl. Yuan-Dynastie) 12. Jhrd. - 17. Jhrd. Mandschu (vgl. Qing-Dynastie) 17. Jhrd. - 20. Jhrd. Zum mongolischen Weltreich: Die eurasischen Eroberungen Dschingis Khans und seiner Nachfolger ('vgl. Tamerlan) ...



Wappen der Mongolei seit 1991


Geschichte der Türkei - Lexikon
Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts dringen die Seldschuken aus dem Osten vor, eine islamisierte türkische Dynastie aus Transoxanien im heutigen Usbekistan, die zuvor Afghanistan und Teile von Persien erobert hat. Mit der Schlacht von Mantzikert (1071) bringen die Seldschuken dem Byzantinschen Reich eine verheerende Niederlage bei.In der Folge davon begann im 12. Jahrhundert der Niedergang der Herrschaft des byzantinischen Reiches und der Aufstieg der Seldschuken.Diese haben um 1230 ihre Hochzeit.Danach wird das seldschukische Reich zunehmend durch innere Streitigkeiten aber auch durch Einfälle mongolischer Krieger der Ilkhan-Dynastie.


Geschichte Sloweniens - Lexikon
Dem Hunnischen Imperium wurde nach der Schlacht bei den Katalaunischen Feldern Einhalt geboten und es ging, nach dem Tod des Attila, wegen seiner Nachfolgekämpfe unter. Karantanien Der südslawische Volksstamm der Slowenen hatte sich im späten 6. Jahrhundert (568 - 590) in den Südalpen niedergelassen, Langobarden und die Steppenachfolger der Hunnen -die Awaren- vertrieben und das Fürstentum Karantanien mit der Hauptstadt Krnski grad (Karnburg/Zollfeld - in der Nähe von Klagenfurt) gegründet. Unter dem legendenhaften fränkischen Kaufmann Samo wird ein erster gesamtwestslawischer Staatenverbund im Jahre 631, nach der Schlacht am Wogastisberg gegen die verliernden Franken, gegründet. Es reichte von Böhmen und Mähren über Österreich und Ungarn bis an die Adria.


Goten - Lexikon
Im Zuge des Niedergangs der Hunnenherrschaft drängten viele Völker ins Reich, darunter auch die Ostgoten. Sie erhielteneinen Föderatenvertrag und siedelten in Pannonien. Der Sohndes Ostgotenkönigs Valamir, Theoderich, kam als Geisel anden Hof in Byzanz (459 - 469). Nach seinerEntlassung erkämpfte er sich die Herrschaft über die Ostgotenund wurde 471 deren König. Im Auftrag des Kaisers Zenon zog Theoderich 488 nachItalien, um den Eroberer Roms, Odoaker, zu vertreiben und Romfür das Imperium zurückzuerobern. Die fünfjährigeRabenschlacht begann. Am 5. März 493 ermordeteTheoderich Odoaker bei Verhandlungen in Ravenna.Fortan herrschte Theoderich alsprinceps Romanus  ...


Gupta - Lexikon
Die Abkömmlinge der Turuken und "Yaghbu" bedeutete in ihrer alttürkischer Sprache Prinz. Dadurch wurde die Macht der Kuschana nur formal ausgeübt. Die Gupta wählten nun den berühmten "Mittelweg": Offiziell war ihr Wort Gesetz. Eine Tatsache, daß sie ihre Unterworfenen durch eindrucksvolle Titel wie: Maharadschahiradscha Paramabhattaraka, der "Großer König der Könige, oberster Gebieter" bedeutete. Andererseits wurde die Regierungsgewalt aufgeteilt und viele Stadträte bestanden aus Handwerker, Künstler und Händlern. Stammvater der Gupta-Dynastie war Chandaragupta I. (nicht zu verwechseln mit dem Chandaragupta Maurya, der rund 6 Jahrhunderte zuvor die Maurya-Dynastie begründet hatte!)


Hephthaliten - Lexikon
... sind ein Hunnisches Volk mit unklarem Ursprung in Mittelasien um ca. 425-563. Möglicherweise kennzeichnet der Name aber eher eine Dynastie, deren Volk sich aus lokalen mittelasiatischen Stammesgruppen (Chioniten, Varhunni u.a.) rekrutierte. Es gibt zumindest einen Hinweis eines chinesischen Chronisten (Sung-Yün, das Liang-shu), dass die Hephthaliten als zeitweilige Vasallen der Shou-shan ursprünglich aus der heutigen Dsungarei stammten. Sie werden von den chin. Chroniken (im Zuge des häufigen Gesandtschaftwechsels mit den Nördlichen Wei) darüberhinaus zu den Ta-Yüe-tschi gestellt. Die Hephthaliten übernahmen bis 450 die Herrschaft über eine ältere Ost-Hunnen-Gruppe, die Chioniten. Sie führten ihre Kriege im Persien des König Péroz I., im frühen 6. Jhrd. auch in Indien. Unter Toramana


Heruler - Lexikon
Im Jahre 454 gelang es den Herulern ein eigenes Reich an der March im Süden der heutigen Slowakei zu errichten. Ihre Hunnische Lebensweise brachte die Heruler immer wieder in Konflikt mit ihren Nachbarn. Im Jahre 510 wurde das Heruler-Reich unter dem König Rodulf endgültig von den Langobarden vernichtet. Die verbleibenden Heruler schlossen sich den Langobarden an, gingen nach Italien oder suchten Zuflucht bei den Gepiden. Letztere Gruppe fand schließlich Aufnahme auf römischen Boden. Beim heutigen Belgrad wurde ihnen gestattet ein kleines Föderatenreich zu errichten. Dieses Reich hatte aber nur kurz Bestand. Schon eine Generation später verschwindet es aus den Quellen. Neben diesen Ost-Herulern werden seit dem Ende des 3. Jh. auch Heruler genannt die nach Galli ...


Hunnische Sprache - Lexikon
Die Hunnische Sprache (Eigenbezeichnung: Turuk tila bzw. Hun tila) war die Sprache der Turuken. Ihre Herkunft ist bis heute umstritten, vermutlich war sie türkischer Herkkunft: Diese FrühHunnische Sprache wurde erstmals um 1766 v. Chr. in dem damaligen China der Xia-Dynastie aufgezeichnet. Gleichzeitig erschien auch das Volk der Turuk in den chinesischen Quellen. Die überlieferten Begriffe des turukisch-Hunnischen Wortschatzes beweisen, dass die Turuk wohl ein Volk türkischer Sprache gewesen sein mußten. Einige von ihnen sind in der nachfolgenden Darstellung aufgeführt: Turuk Deutsch Turuk Deutsch Turuk Deutsch tanry Gott kut Seele byoryu ? ordu Heerlager tug Fahne/Banner Schwert Es waren, wie wir sehen, vor allem Begriffe des Krieges und der Macht.


Kyptschakische Sprache - Lexikon
... Rest der Hunnischen Sprache und stammte wie diese von den osttürkischenen Sprachformen ab. Als deren Nachfolgesprache trat im 10. Jhd. das eng verwandte Kumanische und ab dem 15. Jhd. das Kyptschak-Tatarische, welche ebenfalls unter der Bezeichnung "Kyptschakische Sprache" zusammengefasst wurden. Damit umreißt der Begriff "Kyptschakische Sprache" eine Vielzahl eng verwandter Sprachen und Dialekte, die einst in der Altyn Oba Horde vereinigt waren. Im Grunde kann man alle osteuropäischenen turkotatarischen Dialekte einheitlich zur "Kyptschakischen Sprache" rechnen, da die sprachlichen Unterschiede zwischen ihnen noch nicht so ausgeprägt wie heute waren und da ihre Sprachträger sie noch als Einheit betrachteten.


Odoaker - Lexikon
... Sohn des Hunnischen Beamten Edekon (Edicio) und einer Skirin. Er wuchs am Hof des Hunnenkönigs Attila auf. Nach dem Dienst in der Leibwache des weströmischen Kaisers wurde er etwa um 470 zum Führer der germanischen Hilfstruppen ernannt. Er tötete im Jahr 476 den weströmischen Heermeister Orestes, setzte dessen Sohn, den weströmischen Kaiser Romulus Augustulus, ab und wurde vom Kaiser Ostroms Zenon (Zeno, Xenon) als König Westroms unter oströmischer Ägide anerkannt. Er vergab Land römischer Grundbesitzer an die eingewanderten Germanen (vor allem Heruler, Skiren und Thüringer), ließ jedoch das römische Rechts- und Steuersystem, die römische Verwaltung und den Senat intakt. Im Jahr 477 gewann Odoaker Sizilien von den Wandalen zurück. 481 eroberte er Dalmatien, ...


Oghusen - Lexikon
Hunnischststämmigen Turuken, der 201 v. Chr das alte Kirgisenreich unterworfen haben soll und nach Auffassung der modernen türkischen Geschichtsforschung mit Mete Khan identisch ist. Table of contents 1 Namensherkunft 2 Die Oghusen und ihre Untergruppen 3 Geschichte 4 Flucht und Landnahme am Aralsee 5 Oghusen und Seldschuken 6 Sprachliche Assimilierung 7 Weblinks Namensherkunft Der Name oÄŸuz stammt wohl von den alttürkischen Wörtern oq "Pfeil" unduz "gut" ab. Zusammen geben diese Wörter Oquz oder in der europäischen Form Oghus, die als "Gute Pfeile" "die guten Stämme" übersetzt werden können. Da die Oghusen einen Stammesbund bildeten, war es auch bei ihnen üblich, dem Stammesführer einen Pfeil, als sichtbares Zeichen seiner Macht über Leben und Tod, zu überreichen.


Osttürkische Sprachen - Lexikon
Gruppe Hunnisch Awarisch Göktürkisch Uyghurische Gruppe Altuigurisch Altkirgisisch Kirgis-Kyptschakisch Karlukisch (Östliche Dialekte) Tschagataiisch Usbekisch Neu-Uigurisch (Dialekte Ost-Turkestans) Altuigurisch siehe auch: Altuigurisch Altkirgisisch Diese Sprachform löste im 9. Jahrhundert das Altuigurische als Reichssprache ab. Im 13. Jahrhundert ging diese Sprache größtenteils im Kasachischen auf. Die Sprachen der Karagassen, Tuwiner und der Chakassen können sich sprachgeschichtlich als dessen Erben sehen. Kirgis-Kyptschakisch Dieses umfaßt die Sprachen der heutigen Kirgisen und Altaier. Es wurde stark von der benachbarten Sprache der Goldenen Horde, dem Kyptschakischenen beeinflußt. Karlukisch Die Karlukische Sprache war Amtssprache des Karachanidenreiches.


 

Tungusische Sprachen
 

Die tungusischen oder auch mandschu-tungusischen Sprachen sind eine Sprachfamilie von 12 relativ eng verwandten Sprachen, die von etwa 75.000 Sprechern in Nord-China, ostsibirischen Gebieten Russlands und Teilen der Mongolei gesprochen werden.

 

Tungusisch als Untergruppe der altaischen Sprachen

Die tungusischen Sprachen werden oft in einen genetischen Zusammenhang mit den mongolischen und Turksprachen gebracht und mit diesen als altaische Sprachfamilie zusammengefasst. Die typologischen und lexikalischen Übereinstimmungen mit den mongolischen und Turksprachen - im geringeren Umfang auch mit dem Koreanischen, Japanischen und mit sog. paläosibirischen Sprachen - sind jedoch auch durch eine gegenseitigen Beeinflussung durch Sprachkontakt anstatt durch genetische Verwandtschaft zu erklären. Diese Frage ist in der historischen Linguistik weiterhin umstritten, allerdings wächst die Tendenz, die Altaisprachen lediglich als arealen Sprachbund, aber nicht als genetische Einheit zu betrachten. Lexikalische Übereinstimmungen vor allem mit mongolischen und Turksprachen dürften größtenteils durch diffundierende Kulturwörter bedingt sein. (Dazu ausführlich im Artikel Altaische Sprachen.)

 

Klassifikation

Anhand lexikalischer und grammatischer Untersuchungen lassen sich die tungusischen Sprachen in die drei Gruppen Nord-Tungusisch (eigtl. Tungusisch), Südost-Tungusisch (Amur-Sprachen) und Südwest-Tungusisch (Mandschu-Sprachen) einteilen. Genauere Untersuchungen zeigten zudem, dass die beiden letzteren Gruppen enger verwandt sind. Insgesamt ergibt sich folgende Klassifikation:

  • Tungusisch 12 Sprachen, 75 Tsd Sprecher
    • Nord-Tungusisch
      • Ewen
        • Ewenisch (Lamutisch) (7.5 Tsd, ethnisch 17 Tsd) Russland: Jakutien, Kamtschatka
      • Ewenki
        • Ewenkisch (30 Tsd) Russland (10 Tsd): Sachalin; Solon in China (20 Tsd): Innere Mongolei, Mandschurei
        • Orotschonisch (1.2 Tsd, ethnisch 7 Tsd) China: Innere Mongolei, Mandschurei
      • Negidal
        • Negidalisch (0.2 Tsd, ethnisch 0.5 Tsd) Russland: Amur-Unterlauf, Chabarowsk
    • Süd-Tungusisch
      • Südost
        • Nanai
          • Nanai (Gold, Hezhe) (6 Tsd, ethn. 12 Tsd) Russland: Ostsibirien, Zusammenfluss von Amur & Ussuri
          • Ultscha (Oltscha) (1 Tsd, ethn. 3 Tsd) Russland: Chabarowsk, Ultsch-Region
          • Orok (Ulta) (0.1 Tsd) Russland: Sachalin, Japan?
        • Udihe
          • Udihe (Udighe, Udege, Qiakala) (0.1 Tsd, ethn. 1 Tsd) Russland: Ostsibirien, Chabarowsk Krai
          • Orotsch (0.1 Tsd, ethn 1.6 Tsd) Russland: Ostsibirien, Chabarowsk Krai
      • Südwest (Mandschu)
        • Mandschurisch (0.1 Tsd, ethnisch 10 Mio ?) China, Mandschurei (Sprache der Kaiser der Mandschu-Dynastie)
        • Xibenisch (Sibe, Xibo, Sibo) (30 Tsd, ethn. 170 Tsd) China: Xingjiang, Ili und Urumtschi
        • Juchen (Jurchen, Nuchen, Nuzhen) † China (früher von den Nuzhen gesprochen)

 

Geographische Verbreitung

Die Anzahl und Benennung der Einzelsprachen variiert je nach Standpunkt der jeweiligen Wissenschaftler. Die Definition von relativ nahe verwandten Varianten (also Dialekten) als Sprachen folgt in einigen Fällen politischen Vorgaben. Alle tungusischen Sprachen sind vom Aussterben bedroht oder zumindest gefährdet.

 

Übersicht

Tungusische Sprachen - geographische Verteilung

Sprache / Gruppe Sprecher Geographische Verbreitung
NORD-TUNGUSISCH (TUNGUS) . .
Ewenisch 7.5 Tsd Russland: Jakutien, Kamtschatka
Ewenki-Solon 30 Tsd Russland: AK Ewenken, Sachalin "Ewenki" 10 Tsd
China: Innere Mongolei, auch Mandschurei "Solon" 20 Tsd
Negidalisch 0.2 Tsd Russland: Amurgebiet, Chabarowsk
SÜDOST-TUNGUSISCH (AMUR) . .
Nanai 6 Tsd Russland: Amur-Ussuri, Chabarowsk Krai
Ultscha 1 Tsd Russland: Chabarowsk Krai, Ultsch-Region
Orok 0.1 Tsd Russland: Sachalin
Udihe 0.1 Tsd Russland: Chabarowsk Krai
Orotsch 0.1 Tsd Russland: Chabarowsk Krai
SÜD-TUNGUSISCH (MANDSCHU) .  
Mandschu 0.1 Tsd China: Mandschurei (ethn mehrere Mio)
Xibe 30 Tsd China: Xingjiang, Ili-Gebiet (ethn 170 Tsd)
Jurchen China: früher Mandschurei, Nordchina

 

Nordtungusisch (Tungusisch i.e.S.)

Das Ewenische (alte Bezeichnung: "Lamutisch") ist in Nordost-Sibirien in Jakutien und auf der Kamtschatka-Halbinsel verbreitet.

In vielen Teilen Sibiriens, einigen Regionen der Mongolei und im äußersten Nordosten der Volksrepublik China wird die ewenkische Sprache gebraucht. Es ist das Tungusische im engeren Sinne. Ewenkisch weist viele regionale Varianten auf, die in Sibirien, vor allem auf Sachalin, von etwa 10 Tsd. Menschen gesprochen. In China wird das Ewenkische "Solon" genannt und dort von etwa 20 Tsd. in der Inneren Mongolei und Mandschurei gesprochen. (Früher wurden diese Dialekte des Ewenkischen als separate Sprachen betrachtet.)

Zu dieser Gruppe gehört sprachlich auch das Negidalische, das noch von rund 200 Personen am Amur-Unterlauf gesprochen wird (geographisch eine Amur-Sprache).

 

Südost-Tungusisch: Amur-Sprachen

In den zu Russland gehörenden Regionen am Unterlauf des Amur (Chabarowsk Krai) werden folgende tungusische Sprachen gesprochen: Nanai (Gold, Hezhe), Ultscha, Orokisch, Orotsch und Udihe. Das Negidalische, das auch am Amur gesprochen wird, gehört linguistisch zu den nordtungusischen Sprachen. Sie haben zusammen nur 7-8 Tsd. Sprecher.

 

Südwest-Tungusisch: Mandschu-Sprachen

In der Mandschurei wird noch in zwei Dörfern die mandschurische Sprache (Mandschu) von weniger als 100 Personen gesprochen. Die übergroße Mehrheit der über 10 Millionen Mandschuren der Volksrepublik China sprechen heute Varianten der chinesischen Sprache. Die mandschurische Sprache war eine der Amtssprachen der tungusischen Qing-Dynastie (1644–1911). Die Xibe-Sprache, die sich aus dem Mandschurischen entwickelt hat, ist heute in Xinjiang im Ili-Gebiet verbreitet (rund 30 Tsd Sprecher).

 

Schriftsprachen

Am weitesten verbreitete tungusische Schrift- und Literatursprache war das Mandschu, für das als Offizialsprache der chinesischen Mandschu-Dynastie im 17. Jhdt. - basierend auf mongolischen Vorbildern - eine Schrift geschaffen wurde, in der es auch eine nennenswerte Literatur gibt.

Bereits die Sprache der Vorläufer der Mandschus, der Jurchen, wurde aber in einer eigenen Schrift basierend auf der Schrift der protomongolischen Khitan offiziell in der nordchinesischen Jin-Dynastie verwendet. Deren Territorium wurde dann wie dasjenige der chinesischen Song-Dynastie von den Mongolen erobert. In dieser Sprache wurden auch Reste von Manuskripten und Inschriften gefunden und einzelne Wörter werden in chinesischen Chroniken aus der damaligen Zeit überliefert.

1931 bekamen das Ewenkische, Ewenische und Nanai die lateinische Schrift, kurz danach 1936/37 wurden sie kyrillisch verschriftet.

 

"Tatarisch" und tungusisch

Im Russischen wurden einige tungusische Sprachen - wie viele andere sibirische Sprachen auch - "tatarisch" genannt, ohne dass sie mit der heute Tatarisch genannten Turksprache enger verwandt sind.

 

Tungusische Etymologien (Wortgleichungen)

Einen Blick auf Wortgleichungen des tungusischen Grundwortschatzes bietet die folgende Tabelle. Sie zeigt, dass die tungusischen Sprachen eng verwandt sind, lässt aber auch die Hauptgruppierungen in Nord Ewen-Ewenki-Negidal), Südost (Amur-Sprachen) und Südwest (Mandschu-Juchen) erkennen.

Bedeutung Proto-
Tungus.
Evenki Even Negidal Manchu Jurchen Ulcha Orok Nanai Oroch Udihe
Mutter; Frau *eni enin enin enin enen enin en- enin enin eni enin
Schwester (ält.) *eke(n) ekin ekın exe xexə xexe eqte ekte ekte eki exi
Bruder (ält.) *aka aka aqa aga xaxa xaxa aGa aka . aka aga'
Schwiegertochter *bener bener benır bene . . bener . bener bene bene
Brust; Herz *(k)ukun ukun ökın öxön oxo . kukun qun kun okon .
Nase *xoŋa oŋokto oŋıt oŋokto xoŋqo . xoŋqo . qoŋkto- xoŋko .
Sehne,Faden *sire(kte) sirekte siren sijen sirge . sirekte sirekte sirikte sijekte siekte
Auge *(n)iasa esa äsıl esa jasa ŋiaci isal isal nisal isa jehä (?)
Hand, Pfote *mana mana mana mana . . mana . maja manaka mane
Wasser *mu(ke) mu mo mu muke mo mu mu muke mu mu
Fels *kada(r) kadar qadar kada xada . qadali qada qadar kada kada
Eis *djuke djuke djök djuxe djuxe djuxe djue duke djuke djuke judge
3 *ilan ilan ilın ilan ilan jilan ilan ilan ilaŋ ilan ilan
4 *dügin diγi diγi diγi duju dujin duin djin duin di di
5 *tuŋa tuŋa tunŋın tuŋna sunja cunja tunja tunda tojŋa tuŋa tuŋa
7 *nadan nadan nadın nadan nadan nadan nadan nadan nadaŋ nadan nadan

 

Sprachliche Eigenschaften

Typologisch weisen die tungusischen Sprachen große Ähnlichkeit mit den beiden anderen Gruppen der altaischen Sprachen (Turkisch und Mongolisch) auf. Diese Merkmale sind also weitgehend gemeinaltaisch und finden sich zum Teil auch bei uralischen und paläosibirischen Sprachen (siehe Altaische Sprachen).

Die wichtigsten typologischen Charakteristika der mongolischen Sprachen sind:

  • Mittelgroße Phoneminventare, einfache Silbenstruktur, kaum Konsonantencluster.

  • Vokalharmonie zwischen letztem Vokal des Stamms und folgendem Suffix, die auf verschiedenen Vokaloppositionen beruht.

  • Eine weitgehend agglutinative Wortbildung und Flexion, und zwar nahezu ausschließlich durch Suffixe. Jedes Morphem hat eine spezifische Bedeutung und grammatische Funktion und ist - abgesehen von den Erfordernissen der Vokalharmonie - unveränderlich. Es gibt in den tungusischen Sprachen aber auch Ansätze von periphrastischen Bildungen (Flexion mit Hilfswörtern).

  • Bei der Nominalbildung gilt die Markerfolge PLURAL - KASUS - POSSESSIVUM, abweichend vom Turkischen und Mongolischen, vergleichbar mit dem Finnischen.

  • Adjektive werden nicht flektiert, sie zeigen keine Konkordanz mit ihrem Bestimmungswort.

  • Ebenso wie die mongolischen Sprachen besitzen auch die tungusischen das Konzept der Konverben, die als Ersatz für Nebensatzkonstruktionen verwendet werden. Generell werden Nebensätze nominalisiert und in den Hauptsatz als Satzteil eingebaut.

  • Die normale Satzfolge ist SOV (Subjekt-Objekt-Verb).

 

Siehe auch

 

Literatur

  • Benzing, Johannes (1955a): Die tungusischen Sprachen: Versuch einer vergleichenden Grammatik. (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Jahrgang 1955, Nr. 11) Wiesbaden: Steiner

  • Benzing, Johannes (1955b): Lamutische Grammatik mit Bibliographie, Sprachproben und Glossar. (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Veröffentlichungen der orientalischen Kommission, 6) Wiesbaden: Franz Steiner

  • Castrén, Matthias A. (1856) : Grundzüge einer tungusischen Sprachlehre. St. Petersburg [repr. Leipzig: Zentralantiquariat der DDR 1969]

  • Comrie, B. (1981): The languages of the Soviet Union. Cambridge: CUP

  • Doerfer, G. / W. Hesche / H. Scheinhardt (1980): Lamutisches Wörterbuch. Wiesbaden: Harrassowitz

  • Hauer, Erich (1952–55): Handwörterbuch der Mandschusprache. Wiesbaden: Harrassowitz

  • Malchukov, Andrei L. (1995): Even. (Languages of the World, Materials, 12) München / Newcastle: LINCOM Europa

  • Masica, Colin P. (1976): Defining a linguistic area: South Asia. Chicago, IL / London: Chicago UP

  • Nikolaeva, Irina & Maria Tolskaya (2001): A grammar of Udihe. (Mouton Grammar Library) Berlin / New York, NY: Mouton de Gruyter

  • Ning, Jin (1993): Sibe-English Conversations. Wiesbaden: Harrassowitz

  • Norman, Jerry (1978): A concise Manchu-English lexicon. Seattle, WA / London: Washington UP

  • Ramsey, S. Robert (1987): The languages of China. Princeton

  • Роббек, В.А. (1989): Язык эвенов березовки. Ленинград: Наука

  • Schiefner: [Artikel], in: Bulletin der Petersburger Akademie. St. Petersburg 1859

  • Sotavalta, Arvo A. (1978): Westlamutische Materialien. (Soumalais-Ugrilaisen Seuran Toimituksia, 168) Helsinki

  • Stary, Giovanni (1990): Taschenwörterbuch Sibemandschurisch-Deutsch. Wiesbaden: Harrassowitz

 

Dschingis Khan
 

Dschingis Khan (mongol. Чингис Хаан, eigentlich Temudschin, Тэмүүжин: „der Schmied“; * 1155, 1162 oder 1167; † 18. August 1227) war ein hochmittelalterlicher Khan der Mongolen, der die turko-mongolischen Stämme vereinte und weite Teile Zentralasiens und Nordchinas unter seine Kontrolle brachte. Seine Regierungszeit als erster Großkhan der Mongolen dauerte von 1206 bis 1227.

Er einigte die mongolischen Stämme der heutigen zentralen und nördlichen Mongolei und führte sie zum Sieg gegen mehrere benachbarte Völker. Nach der Ernennung zum Großkhan aller Mongolen begann er mit der Eroberung weiterer Gebiete; im Osten bis an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer. Um dieses Reich zu verwalten, ließ er eine eigene Schrift entwickeln und etablierte schriftliche und für alle verbindliche Gesetze. Nach seinem Tod wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt und noch weiter vergrößert, fiel aber zwei Generationen später wieder auseinander.

 

Geschichte

Die Mongolen siedelten ursprünglich im Nordosten der heutigen Mongolei, zwischen den Flüssen Onon und Kerulen. Sie setzten sich aus nomadischen Hirtenstämmen der Steppe sowie Jägern und Fischern der Waldgebiete zusammen, und waren in zahlreiche kleinere Gruppierungen zersplittert.

Das Weidegebiet war (und ist bis heute) Gemeineigentum, d. h. Besitzrechte an Grund und Boden waren unbekannt. Trotzdem bestand aufgrund der ungleichen Verteilung des Viehbesitzes eine frühfeudale Ordnung innerhalb der einzelnen Stämme. Stammesübergreifend wurden die Führer für Kriegs-, Raub- und Jagdzüge um 1200 noch von den Stammesfürsten auf einer Kuriltai frei gewählt, aber es bildete sich in den Einigungskämpfen jener Zeit eine Militäraristokratie heraus, die sehr viel Macht erlangte und deren Führungspositionen unter Dschingis Khan schließlich erblich wurden.

 

Herkunft und Geburt

Der mongolischen Legende nach standen am Anfang des Stammbaums von Dschingis Khan (und damit auch aller Mongolen) ein Wolf und eine Hirschkuh, die sich nahe des heiligen Berges Burchan Chaldun am Ufer des dort entspringenden Onon niederließen. Dieser Berg liegt etwa 170 km östlich vom heutigen Ulaanbaatar und ist Teil des Chentii-Gebirges, in dem auch die Flüsse Kerulen und Tuul entspringen.

Dschingis Khan gehörte zum Stamm der Mongghol, zum Klan der Borjigin (Wildenten-Leute) und zum Unterklan der Qiyat, zu Deutsch Kijat. Er stammte aus einer hochangesehenen Familie und war der älteste Sohn des Klanchefs Yesügai Bahadur und seiner Frau Hoe'lun-Ujin (auch Üdschin). Er war der Urenkel des legendären Mongolenfürsten Qabul (auch als Kabul Khan bekannt), der um 1130–50 die mongolischen Stämme vorübergehend vereinigt hatte und erhielt von seinem Vater den Namen Temudschin (tatar.: „der Schmied“, fälschlich mit „der Eiserne“ übersetzt), der vielfach auch als Temujin oder Temüdschin angegeben wird. Dieser Name stammte nach alter mongolischer Sitte von einem gefangenen Feind.

In dem erst nach dem Tode Dschingis Khans von seinem Sohn und Nachfolger Ugedai beauftragten Epos Die geheime Geschichte der Mongolen wird berichtet, dass der kleine Temudschin bei seiner Geburt einen Blutklumpen in seiner rechten Faust festhielt. Darin sahen die Schamanen ein göttliches Zeichen für einen zukünftigen großen Krieger. Als mögliche Geburtsplätze werden heute drei Gegenden vermutet:

  • Laut den west- und nordmongolischen Traditionen der Oiraten und Burjaten wurde Dschingis Khan auf der rechten Ononseite geboren. Vor allem die damals mongolische Region Dulun-Boldaq (südlicher Baikalsee/Russland) wird hier genannt.

  • Die ostmongolischen Chalcha nehmen ihrerseits die Region Deligün Boldogh am mittleren Kerulen als möglichen Geburtsplatz an. Damit läge dieser in der Nähe der heutigen mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar.

  • Doch gibt die Familiengeschichte Dschingis Khans, die Geheime Geschichte der Mongolen, eine Stelle am Fuße des Burchan Chaldun (ebenfalls in der Nähe der Ononquelle) als Geburtsplatz an, womit dieser in der nordwestlichen Mongolei zu liegen käme.

(Da nun die Mehrheit der Überlieferungen den Onon-Fluss angeben, dürfte dieser der wahrscheinlichste Geburtsort sein.)

 

Jugendjahre

Zu dieser Zeit waren die Klans der Steppe in ständige Kämpfe untereinander verwickelt. Temudschins Vater Yesügai hatte durch Raubzüge gegen die Tartaren und Merkiten das Stammesgebiet stark vergrößert und Reichtum und Wohlstand angesammelt. Bei einem dieser Überfälle raubte er sogar Temudschins Mutter direkt vom Hochzeitswagen ihres merkitischen Bräutigams und machte sie zu seiner eigenen Frau. In einer sorgenfreien Kindheit lernte der kleine Temudschin schon früh reiten, bogenschießen und jagen, die damals entscheidenden Fähigkeiten für das Überleben in den Steppen Zentralasiens. Wie so oft bei Nomadenvölkern galt auch dort das Gesetz des Stärkeren, der sich ohne Rücksicht nimmt, was er gerade braucht. Deshalb drohte aber auch nach jedem Überfall und Raub im Gegenzug die Rache des Unterlegenen, wie es Temudschin später noch selbst erfahren sollte.

Den Berichten nach als kleiner Junge zunächst eher ängstlich und schüchtern, entwickelte er eine enge Bindung zu seinem Schwurbruder Dschamucha, der später allerdings aus Rivalität zu seinem erbittertsten Feind werden sollte.

Temudschin war neun Jahre alt, als sein Vater, wie damals bei den mongolischen Nomaden üblich, mit ihm auf Brautschau ging. Im Lager eines befreundeten Klans vom Stamme der Unggirat entdeckten sie ein kleines, hübsches Mädchen namens Börte. Diese war die Tochter des Stammesführers, bei dem sie um ihre Hand anhielten. Da dieser einverstanden war, blieb der zukünftige Bräutigam nach altem Brauch für einige Zeit bei seinen Schwiegereltern und freundete sich dort mit seiner kleinen Verlobten an.

Sein Vater ritt allein zurück und nahm unterwegs die Gastfreundschaft von Tartaren an. Diese erkannten ihn jedoch als Oberhaupt des feindlichen Stammes und vergifteten ihn beim Essen. Von einem Boten über den Tod seines Vaters unterrichtet, kehrte Temudschin zu seinem Stamm zurück. Wegen seiner Jugend wurde er dort jedoch nicht als Nachfolger seines Vaters anerkannt. Die ehemaligen Gefolgleute wandten sich von seiner Familie ab, die ganze Sippe löste sich auf und er blieb als ältester Sohn mit der Mutter, seinen drei halbwüchsigen Brüdern und einer kleinen Schwester zurück. Ohne den Schutz des Stammes wurde ihnen nach und nach ihr gesamtes Hab und Gut geraubt und sie lebten die nächsten Jahre in Armut. Zwischen ihm und seinen Brüdern gab es häufig Streit, der schließlich darin gipfelte, dass er seinen jüngsten Bruder Bektar ermordete. Nach anderer Quelle tötete er seinen Bruder im Streit um die Beute nach einem Raubzug.

Nach dem Epos „Die geheime Geschichte der Mongolen“ soll die Mutter den sich häufig streitenden Brüdern mit einem einfachen Gleichnis die Bedeutung von Stärke durch Einigkeit vor Augen geführt haben: Sie gab einem Jungen einen Pfeil in die Hand und forderte ihn auf, diesen zu zerbrechen. Es gelang ihm mühelos. Danach band sie mehrer Pfeile zu einem Bündel zusammen und forderte die Kinder auf, nun diesen Pfeilbund ebenfalls zu zerbrechen, was ihnen jetzt nicht mehr gelang. Für den zukünftigen Dschingis Khan soll diese mütterliche Belehrung ein prägendes Erlebnis gewesen sein, welches ihm schon in jungen Jahren die Orientierung für sein späteres staatsmännisches Wirken wies.

Für andere Mongolenfürsten stellte er trotz seiner kläglichen Lebensumstände und seiner Jugend allein auf Grund seiner aristokratischen Abstammung dennoch eine Bedrohung dar und die Familie musste immer wieder fliehen. Manchmal soll Temudschin in den Zeiten der größten Bedrängnis Zuflucht am heiligen Berg Burchan Chaldun gesucht haben. Auf einer dieser Fluchten wurde er schließlich von den Taijut gefangengenommen, mehrere Jahre wie ein Sklave gehalten und aufs Tiefste gedemütigt. Durch seine abenteuerliche Flucht aus dieser Gefangenschaft erlangte er bei seinen Altersgenossen großes Ansehen. Er suchte und fand auch seine Verlobte Börte wieder und konnte sie endlich heiraten.

 

Einigung der Mongolen

Temudschin wusste, dass man in der Steppe nur überleben kann, wenn man mächtige Verbündete hat. Durch geschickte Diplomatie gelang es ihm, seine Gegner nach und nach für sich zu gewinnen oder auszuschalten.

1190 einte er so die mongolischen Sippen und unter seiner Führung begannen sie, die benachbarten Steppenvölker zu unterwerfen. Als Anreiz für den unbedingten Gehorsam seiner Kämpfer versprach er ihnen reiche Beute auf den noch kommenden Kriegszügen.

1201 gelang ihm ein Sieg über seinen umtriebigsten Rivalen und ehemaligen Schwur- bzw. Blutsbruder, den „Gurkhan“ Dschamucha. Dieser konnte zunächst fliehen, verlor jedoch einen Großteil seiner Gefolgschaft. Im verzweifelten Kampf gegen Temudschin ging er ständig wechselnde Bündnisse mit Freund und Feind ein. Seinen engsten Vertrauten wurde dieses aussichtslose Wechselspiele schließlich zuviel, und sie lieferten ihn an Temudschin aus. Der setzte jedoch ein für ihn bezeichnendes Exempel. Da ihm nichts so verhasst war wie Treulosigkeit und Verrat, ließ er die Häscher von Dschamucha und all ihre Familienmitglieder töten. Seinem ehemaligen Blutsbruder bot er hingegen erneut seine Freundschaft an und bat ihn, an seine Seite zurückzukehren. Der konnte und wollte dieses großzügige Angebot nicht annehmen und bat um einen standesgemäßen Tod, der ihm auch gewährt wurde.

1202 nach einem Sieg über die Merkiten im Norden fühlte Temudschin sich stark genug, um sich an den Tartaren im Osten für den Tod seines Vaters zu rächen. In blutigen Kämpfen besiegte er die vier Stämme der Tartaren und nach den Angaben der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ ließ er bei den Besiegten nur diejenigen am Leben, welche nicht größer als die Achshöhe eines Ochsenkarren waren. 1203 schlug er die Keraiten (Toghril Khan, Nilkha) und 1204 die Naimanen (Tayang Baybugha) im Westen. Damit waren die letzten Hürden auf dem Weg zur uneingeschränkten Macht überwunden.

 

Ernennung zum Dschingis Khan und Veränderungen

Im Jahr 1206 berief Temudschin an der Quelle des Onon einen Reichstag, den sogenannten Kuriltai ein. Dort wurde er von den anwesenden Schamanen und Stammesfürsten zum Dschingis Khan, dem Großkhan aller Mongolen ernannt und mit dem Titel „ungestümer Herrscher“ (ozeangleicher Herrscher) ausgezeichnet. Das ihm verliehene Hoheitszeichen, die weiße Standarte, steht noch heute zusammen mit neun weiteren Standarten (für die damaligen Kernstämme des Reiches) als Symbol des heutigen mongolischen Staates im mongolischen Parlament. Die drei Zacken an der Spitze der Standarte stehen stellvertretend für Mond, Sonne und Flamme und sollen die Stärke der Mongolen symbolisieren. Dabei symbolisiert der Mond die Vergangenheit, die Sonne die Gegenwart und die Flamme die Zukunft des Mongolenreiches.

Durch den Beschluss des Reichstags entstand ein neuer Staat mit Dschingis Khan als unumschränktem Herrscher und alleinigem Gesetzgeber. Die Regierung bildeten seine Mutter, Brüder und Söhne. Von Repräsentanten anderer Völker lernte er, wie man ein großes Reich verwaltet. Dazu befahl er seinem Sohn Ugedai, die alten und neuerlassenen Gesetze in Form eines mongolischen Grundgesetzes, der Jassa, aufzuschreiben. Dieses Werk formulierte eine einheitliche Sammlung von strikten Geboten und Vorschriften, die das Zusammenleben im neugegründeten Mongolenreich regeln sollten. Dadurch wurde die Willkürherrschaft der Stammesfürsten beendet und eine wesentliche Grundlage für ein geordnetes Staatswesen geschaffen. Nach anderer Quelle ließ er die Jassa von seinem schreibkundigen, tatarischen Adoptivsohn Schigiqutuqu aufzeichnen und machte diesen auch zu seinem obersten Richter.

Als nächstes etablierte er eine allgemeine Wehrpflicht und ernannte aus der Reihe seiner bisherigen Gefährten Tausendschaftsführer zur Führung seiner großen Armee. Für diese und andere Ernennungen war nicht mehr die Blutsverwandschft oder Stammeszugehörigkeit entscheidend, sondern bedingungloser Gehorsam dem Khan gegenüber und besondere Tapferkeit in vorausgegangenen Kämpfen. Der alte Stammesadel wurde weitgehend entmachtet und durch zuverlässige Leute (Köcherträger) aus dem Militär ersetzt. Unzuverlässige Stammesgruppen wurden aufgelöst. Diese Maßnahmen bedeuteten einen revolutionären Bruch mit den bisherigen sozialen Verhältnissen der Steppe. Die neue Ordnung ersetzte Verrat und Betrug durch Disziplin und Gefolgschaft.

Gelegentlich brachte Dschingis Khan seiner Frau oder seiner Mutter einen kleinen Jungen aus den jeweils unterworfenen Stämmen mit. Diese Kinder wurden von ihnen adoptiert und wuchsen anschließend als gleichberechtigte Familienmitglieder zusammen mit den leiblichen Söhnen des Khans auf. So wuchs in seiner Jurte immer eine Gruppe junger, oft talentierter Männer heran, welche ihm Dank und Loyalität schuldeten.

Der neue Großkhan stellte sich auch eine eigene Leibgarde von ca. 10.000 Soldaten auf. Diese setzte sich aus den Söhnen oder Brüdern von Stammesfürsten und Heerführern zusammen, welche einerseits als Krieger für ihn kämpfen, aber zugleich als Geiseln ein Faustpfand darstellen, um den unbedingten Gehorsam des Steppenadels sicherzustellen.

Zunächst bildete seine streng organisierte und disziplinierte Armee das einzige zuverlässige Machtmittel gegen die traditionelle Eigenständigkeit des Stammesadels. Erst um 1220 kamen genügend ausländische Beamte in mongolische Dienste, so dass man auch an eine Art Zivilverwaltung der unterworfenen Völker denken konnte.

Dschingis-Khan war selbst Analphabet, erkannte aber trotzdem die Bedeutung des Schriftwesens und ließ darum für die Verwaltung seines Reiches eine eigene Schrift entwickeln. So entstand zuerst die aus dem Uighurischen abgeleitete Längsschrift und später gegen Ende des 13. Jahrhunderts die vom Lama Phags-pa aus der tibetischen Schrift abgeleitete Phags-pa-Schrift, die auch als Quadratschrift bezeichnet wird.

 

Weitere Eroberungen

Im Anschluss an die Einigung des Reiches wandte sich Dschingis Khan der Eroberung Chinas zu. Nachdem er 1209 die Tanguten unterwerfen konnte, hatte er sich südlich der Großen Mauer ein Lager für weitere Eroberungszüge geschaffen. 1211 führte er seine Truppen mit mehr als 100.000 Kämpfern Richtung Süden und Osten in das von der Jin-Dynastie beherrschte Gebiet und drang bis zur Halbinsel Shandong vor. 1215 nahm er Peking ein und 1219 zahlte auch Korea an ihn Tribut.

Im Jahre 1218 unterwarf der Khan das Kara-Khitai-Reich, das letzte verbliebene Steppenreich am Balchaschsee.

Im Westen wurde mit dem islamischen Choresmischen Reich in Persien ein Freundschaftsvertrag geschlossen, doch der Friede währte nur kurz. Bald darauf wurde dort eine mongolische Karawane überfallen und ermordet.

 

Reichsversammlung/Nachfolgefrage

Daraufhin berief Dschinghis Khan 1218 eine erneute Reichsversammlung ein, um einen Vergeltungsschlag gegen dieses Reich im Westen und weitere Gesetze und Direktiven zu beschließen. Gleichzeitig wollte er auch schon zu seinen Lebzeiten die Nachfolgefrage zu klären. Sein ältester Sohn war Jochi († 1227), der zweite Tschagatai († 1242), der dritte Ugedai († 1241), der vierte Tolui († 1232).

Zunächst entstand bei dieser Klärung ein heftiger Streit unter den Söhnen und der älteste wurde von allen anderen heftig beschimpft. Als dann jedoch einer von ihnen zur Schlichtung den Vorschlag machte, Ugedai zum Nachfolger auszuwählen, war Dschinghis Khan sofort damit einverstanden, da sein mittelgeborener Sohn als besonnen und großzügig galt. In diesem Sinne wurde also seine Nachfolge auf dieser Versammlung vertraglich festgehalten und andererseits auch ein Rachefeldzug gegen das Choresmische Reich beschlossen.

 

Rachefeldzug

1219/20 besiegten die Mongolen in Transoxanien die Truppen des Choresmischen Schah. Buchara und Samarkand wurden erobert und der Schah Sultan Ala ad-Din Muhammad starb auf der Flucht am Kaspischen Meer. Sein Sohn Jelal ad-Din wurde 1221 am Indus besiegt und floh vorübergehend nach Indien.

 

Gründung von Karakorum

1220 bestimmte Dschinghis Khan den Ort der späteren Stadt Karakorum (schwarze Berge/schwarzer Fels/schwarzes Geröll), zunächst wohl nur als eine besondere Residenz am Ufer des Orchon für seinen Aufenthalt im Gebiet von Helin, so wie es für seinen Aufenthalt in anderen Gegenden seines Landes schon ähnliche Residenzen gab.

Der Orchon war und ist jedoch die Lebensader der ganzen Region und an seinem Ufer lagen schon vor Dschinghis Khan die Zentren großer vergangener Steppenreiche. Durch die Festsetzung seiner Residenz gerade an dieser Stelle stellte er sich bewusst in die Tradition seiner Vorgänger. Zur Festigung seiner Macht entwickelte sich Karakorum später zur ersten Hauptstadt des Mongolenreiches und wurde auch unter seinem Nachfolger mit einer Befestigungsanlage versehen. Für die Mongolen ist Karakorum noch heute das historische Zentrum ihres Nationalstaates.

Zur Ausübung von den Nomaden bisher ungewohnten Tätigkeiten holte sich Dschinghis Khan fremde Handwerker und Künstler ins Land, insbesondere in die neue Hauptstadt. Die Mongolen eigneten sich die Kenntnisse der Fremden aber im allgemeinen nicht an, sondern sie ließen diese für sich arbeiten. Einige der fremden Handwerker und Künstler kamen eher freiwillig, andere wurden jedoch auch hierher verschleppt.

Dschingis Khan und seine Nachfolger zeigten in Karakorum neben ihren grausamen Kriegstaten ein zweites, völlig anderes Gesicht. Durch ihre tolerante Haltung allem Neuen und Unbekanntem gegenüber wurde ihre Hauptstadt nicht nur die Schaltzentrale der Reichsverwaltung und ein Zentrum des Handels und Kunsthandwerks, sondern auch zu einem Schmelztiegel unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Völker.

 

Feldzüge nach Osteuropa

Etwa zur gleichen Zeit (1220) griffen die Mongolen den Kaukasus und Südrussland an und 1223 drangen die Truppen unter Dschebe und Subotai sogar bis in die Ukraine vor. Dort besiegten sie die Russen an der Kalka. Bei all diesen Eroberungen ließ Dschingis Khan seine Krieger ganz besonders grausam vorgehen, was ihren Ruf als Geißel der Menschheit begründete.

 

Tod und Nachfolge

1224/25 kehrte der Khan in die Mongolei zurück, mit dem Plan einer Strafexpedition gegen die Tanguten. Auf dem Weg dahin starb er, vermutlich am 18. August 1227. Die Todesursache ist nicht vollständig geklärt, nach der verbreitetsten Darstellung erlag er den inneren Verletzungen eines Reitunfalls. Laut der Galizisch-Wolhynischen Chronik wurde er von den Tanguten getötet. Volkstümliche Überlieferungen berichten auch von einer Tangutischen Prinzessin, welche ihr Volk rächen und ihrer eigenen Vergewaltigung zuvorkomment wollte, indem sie ihn mit einem versteckten Messer entmannte.

Seinen Bestattungsort haben angeblich tausend Reiter mit den Hufen ihrer Pferde eingeebnet und sie sollen nach ihrer Rückkehr sofort hingerichtet worden sein, damit sie den genauen Ort niemandem verraten konnten. Bis heute wurde das Grab trotz ausgiebiger Suche nicht gefunden. Allgemein wird angenommen, dass er im Chentii-Aimag irgendwo am Südhang des Burchan Chaldun begraben wurde, da dieser Berg eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt hatte. Aber es drehen sich so viele Legenden um seine Beerdigung, dass auch andere Grabstätten in Frage kommen. Mit Sicherheit ausschließen kann man den Standort des Dschingis Khan Mausoleums bei Ordos in der Inneren Mongolei. Dabei handelt es sich um eine Gedenkstätte mit einem leeren Sarg, und nicht um ein wirkliches Grab.

Als Dschingis Khan starb, hatte sein Reich eine Größe von 19 Millionen km² erreicht und war damit doppelt so groß wie die heutigen USA. Es reichte nun vom Chinesischen Meer im Osten bis zum Kaspischen Meer im Westen, bis heute der einzige Nomadenstaat der Welt, der 200 Jahre lang Bestand hatte. Doch erst unter seinen Nachfolgern sollte es seine endgültige Ausdehnung erreichen, und zum größten Weltreich in der bisherigen Geschichte der Menschheit werden.

Dschingis Khan hatte entgegen aller Tradition aber getreu seinem Grundsatz, dass Kompetenz und Eignung entscheide, noch zu Lebzeiten auf der Reichsversammlung von 1218 den zweitjüngsten Ugedai zu seinem Nachfolger bestimmt. Normalerweise trat in der mongolischen Erbfolge sonst der jüngste Sohn die Nachfolge des Vaters an und erbte dessen Besitztümer - abzüglich des Anteils der älteren Söhne. Getreu der Vereinbarung wurde auf einem einberufenen Reichstag 1229 der neue Großkahn Ugedai Khan zum Herrscher aller Mongolen ausgerufen.

Außerdem wurden die unterworfenen Völker und ihre Gebiete unter Tschagatei, Ugedai und Tolui sowie den Nachkommen des verstorbenen vierten Sohnes Jochi aufgeteilt. Jeder bekam sein eigenes Teilreich (Khanat). Gemeinsam vergrößerten die vier Familien das Reich weiter, bis sie sich dann endgültig zerstritten.

 

Wirkung bis heute

Um die Persönlichkeit des Khans ranken sich bis heute viele Geschichten. Einigen Quellen zufolge gab sein Sohn Ugedai noch vor 1240 die Geheime Geschichte der Mongolen - eine Mischung aus Chronik und Epos - bei Dschingis Khans tartarischem Adoptivsohn Schigiqutuquals in Auftrag, der sie in mongolischer Längstschrift niederschrieb. Anderen Quellen zufolge hat sie Ugedai selbst verfasst. Sie erzählt die Lebensgeschichte von Dschingis Khan und nur der Familie des Khans war es gestattet, sie zu lesen. Dieses Werk war jahrhundertelang verschollen. Erst 1866 wurden in chinesischer Zeichenschrift verfasste Abschriftteile in einer Bibliothek in China gefunden. Das Original in mongolischer Längstschrift ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Die "Geheime Geschichte" stellt heraus, dass Dschingis Khan aufgrund seines Werdeganges höchsten Wert auf die persönliche Treue und Loyalität der Menschen gegenüber ihrem Herren oder ihren Freunden legte. Die Völker, denen er Leid und Tod brachte, charakterisieren ihn als grausamen Schlächter und er gilt bis heute als einer der größten Massenmörder in der Geschichte der Menschheit. Doch brachte sein gewaltiges Reich seinen Bewohnern für eine lange Zeitspanne Sicherheit und Frieden.

Außerdem war er aber in religiösen Dingen sehr tolerant und bereit, jeder Glaubensrichtung und jeder Staatsphilosophie sein Ohr zu leihen. Gegen Ende seines Lebens begriff er offenbar, dass seine Regierungsprinzipien nicht die einzig gültigen waren und setzte Berater wie den Kitan Yelü Chutsai und den Choresm-Türken Machmud Jalatwatsch in Spitzenpositionen ein, um sein Reich umfassend zu organisieren. Allerdings trug dieses Bemühen erst nach seinem Tod unter seinen Söhnen und Enkeln Früchte. Dschingis Khans Reich wurde weiter ausgebaut und war gegen 1260 im Inneren so gut organisiert und befriedet, dass es hieß, eine Jungfrau könne es als Reisende mit einem Topf voll Gold ohne Gefahr von einem bis zum anderen Ende durchqueren (Pax Mongolica). Damals umfasste es etwas über 33 Millionen km².

 

Militärorganisation

Hauptartikel: Mongolische Kriegsführung

Die mongolische Armee war nach dem Dezimalsystem organisiert. Die Truppen wurden in Zehnerschaften geordnet, und die Männer kontrollierten sich gegenseitig. Floh ein Krieger vor dem Feind, mussten auch die anderen neun sterben. Mit der Übergabe von Pferdehaaren, ein Haar von jedem Pferd eines jeden Soldaten, schworen die Armeeführer dem Khan bedingungslosen Gehorsam. Aus diesen Pferdehaarbündeln entstand die Schwarze Standarte, das neue Feldzeichen der Mongolen. Diese Standarte wird noch heute als wichtiges nationales Symbol im Verteidigungsministerium in Ulaanbaatar aufbewahrt.

Die Schlagkraft der neuen Armee beruhte auf ihrer strengen Disziplin, ihrer Wendigkeit auf den zähen und ausdauernden Pferden, ihren Waffen und ihrer ausgefeilten Gefechtstaktik. Jeder Reiter führte zwei bis drei Pferde mit sich und konnte durch die damit immer gegebene Austauschmöglichkeit in kürzester Zeit große Entfernungen zurücklegen. Dabei machten sie unterwegs nur Rast zum Essen und Schlafen. Als Proviant führten die Kämpfer u. a. getrocknetes Fleischpulver (Borts) in am Sattel befestigten Kuhblasen mit sich. Borts ist leicht transportabel und praktisch unverderblich, und wird wie eine heutige Tütensuppe in heißem Wasser aufgekocht. Mit dieser energiespendenden und nahrhaften Verpflegung konnten sie sich monatelang selbst versorgen.

Alle Mongolen waren von Kind an gute Reiter und Bogenschützen und die Jagd galt ihnen als die Schule des Krieges. Ihre Hauptwaffe war ein besonderer Reflexbogen. Sie führten immer mehrere Bögen und viele Pfeile mit geschmiedeten Eisenspitzen mit sich. Die Reflexbögen verliehen den abgeschossenen Pfeilen eine solche Durchschlagskraft, dass sie u. a. auch Kettenhemden durchschlugen. Durch die Verwendung von Steigbügeln konnten sie Pfeile auch nach hinten abschießen (Parthisches Manöver).

Eine häufig angewandete Gefechtstaktik bestand aus einem kurzen Angriff mit anschließend vorgetäuschten Rückzug, um die verfolgenden Feinde in einen Hinterhalt zu locken. Auf einer höheren Ebene wurde versucht, die feindliche Armee ganz oder in Teilen einzuschließen und zu vernichten. Dieser Ansatz und die dafür nötige Organisation leiten sich vermutlich von Erfahrungen mit der Kesseljagd in der Steppe ab.

 

Chronologie

  • 1155,1162 oder 1167: Geburt des Temudschin.

  • 1190: Temudschin einigt die mongolischen Sippen und unterwirft andere Steppenvölker.

  • 1201: Sieg über „Gurkhan“ Dschamucha.

  • 1202: Sieg über die Merkiten und die vier Stämme der Tataren.

  • 1203: Sieg über die Keraiten.

  • 1204: Sieg über die Naimanen.

  • 1206: Ernennung Temudschins zum mongolischen Großkhan „Dschingis Khan“ auf dem Kuriltai an der Quelle des Onon.

  • 1207/09: Unterwerfung der Tanguten und Errichtung eines Heerlagers auf der chinesischen Seite der Großen Mauer für weitere Eroberungszüge.

  • 1211: Eindringen in das Gebiet der Jin-Dynastie und Vordringen bis zur Halbinsel Shandong.

  • 1215: Einnahme von Peking.

  • 1219: Beginn der Tributzahlungen von Korea.

  • 1218: Unterwerfung des Kara-Khitai-Reiches am Balchaschsee und Freundschaftsvertrag mit dem islamischen Choresmischen Reich

  • 1218: Kuriltai zum Beschluss eines Rachefeldzug gegen das Choresmische Reich nach einem blutigen Überfall auf eine mongolische Karawane und Ernennung des drittältesten Sohnes Ugedai zum späteren Nachfolger von Dschingis Khan.

  • 1219/20: Sieg in Transoxanien über die Truppen des Choresmischen Schah und Eroberung von Buchara und Samarkand.

  • 1220: Dschingis Khan gründet die spätere Stadt Karakorum und Angriffe der Mongolen im Kaukasus und Südrussland.

  • 1221: Sieg über die Truppen des Jelal ad-Din, Sohn des zuvor auf der Flucht am Kaspischen Meer verstorbenen Sultan Ala ad-Din Muhammad.

  • 1223: Vordringen der mongolischen Truppen unter Jebe und Subotai bis in die Ukraine und Sieg über die Russen an der Kalka.

  • 1224/25: Dschingis Khans Rückkehr in die Mongolei und Beginn der Strafexpedition gegen die Tanguten. Schwere Erkrankung des Khans durch die Folgen eines Reitunfalls.

  • 18. August 1227: Tod des Großkhans.

  • 1229: Kuriltai zur Ernennung von Ugedai zum neuen Großkahn getreu der Vereinbarung von 1218 und zur Aufteilung der unterworfenen Völker und ihre Gebiete unter den noch lebenden Söhnen sowie den Nachkommen des verstorbenen ersten Sohnes Jochi.

 

Herkunft des Titels Dschingis Khan / Bedeutung

Zur Herkunft und Deutung des Titels Dschingis Khan, auch als Genghis Khan, Cinggis-Khan, Dschingis-Chan und Djingis Chan bekannt, tauchen in der Literatur eine ganze Reihe von Theorien auf.

Die zwei überzeugendsten Erklärungen sind wie folgt:

  • Dschingis Khan entstand aus der chinesisch-türkischen Zusammensetzung chêng-sze khan (aus chinesisch chêng-sze: „edler Reiter/Ritter“ und alttürkisch khan: „Herrscher“) mit der Bedeutung: „Herrscher der edlen Reiter“

  • Dschingis Khan wurde aus dem rein alttürkischen tengis khan (tengis: „Meer“) gebildet und hätte dann die Bedeutung von: „Herrscher der Meere“, „Ozeangleicher Herrscher“ oder „Herrscher zwischen den Weltmeeren“ (Weltherrscher).

Heute nennt man ihn auch „Herrscher des Himmels“.

 

Überlieferungssituation

Die Geschichte Dschingis Khans und seines mongolischen Großreiches ist uns vielfältig überliefert. Viele Details aus seinem Leben und der Nomadenkultur seiner Zeit sind neben legendenhaften Einflechtungen in der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ zu finden, die etwa zehn Jahre nach seinem Tod von einem oder mehreren Autoren aus seinem engsten Umfeld aufgezeichnet wurde.

Daneben existieren zahlreiche Aufzeichnungen von Chronisten und Geschichtsschreibern aus China, dem persischen Raum und natürlich auch aus West- und Osteuropa zur Zeit des Mongolensturms. Zu den Hauptquellen auch für diese Epoche der mongolischen Geschichte zählt vor allem die Geschichtsschreibung in persischer Sprache.

Aus Westeuropa sei zum Beispiel der englische Benediktinermönch, Heraldiker und Chronist Matthew Paris (oder Matthäus Parisiensis beziehungsweise Matthaei Parisiensis [*um 1200 bis †1259]) der großen Abtei St Albans im englischen Hertfordshire mit seiner „Chronika maiora“ angeführt.

Außerdem liefern uns die Erkenntnisse der zahlreichen archäologischen Grabungen an vielen Orten des ehemaligen mongolischen Weltreiches mehr und mehr Details zu den Ereignissen dieser Zeit. Von besonderer Bedeutung sind hier die bisherigen Grabungsergebnisse auf dem Gelände der ehemaligen Mongolenhauptstadt Karakorum. Nach älteren Erkundungen von Sergej Kiselev in den Jahren 1948/1949 graben dort seit dem Jahr 2000 Archäologen vom Deutschen Archäologischen Institut Bonn unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Georg Hüttel und Dr. Ernst Pohl vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn zusammen mit mongolischen Wissenschaftlern im Bereich des vermuteten Khanpalastes und des Handwerkerviertels im ehemaligen Stadtzentrum.

 

Siehe auch

 

Literatur

  • Gudrun Ziegler, Alexander Hogh: Die Mongolen, im Reich des Dschingis Khan. Theis, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1940-0

  • Hans Leicht: Dschingis Khan. Patmos, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96050-9

  • Reinhold Neumann-Hoditz: Dschingis Khan. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-50345-X

  • Paul Ratchnevsky: Genghis Khan – His Life and Legacy, Blackwell Publishers 1993, ISBN 0-631-189491

 

Xiongnu

Hsiung-nu (chin. 匈奴 Xiong-nu, Chiung-nuh ausgesprochen, alttürk. Kun-lu =Sonnen-Volk / Kün´lü =Die von der Sonne/die sonnigen) ist die chinesische Bezeichnung für jene Reiternomaden, die zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert weite Teile Zentralasiens kontrollierten. Sie wurden nach Niederlagen gegen die Chinesen und gegen benachbarte Stämme aufgesplittert und zum Teil westwärts abgedrängt.

In Europa wird für die Hsiung-nu oftmals der Begriff Hunnen verwendet, da sie zumindest teilweise als deren Vorfahren gelten. Auch die heutigen Turkvölker sehen in ihnen – mehr oder minder berechtigt – ihre unmittelbaren Vorfahren. Aber faktisch ist weder die Identität der Hsiung-nu mit den europäischen Hunnen noch der besondere Anspruch der Türken auf ihre Geschichte eindeutig gegeben. Es handelte sich stets um Nomaden, die sich aus verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppierungen zusammensetzten und sich je nach politischer Großwetterlage in rudimentären Staatswesen organisierten, trennten und neu organisierten.

Ursprünge der hunnischen Völker

 

Namensvarianten

Nach heutiger Erkenntnis spricht vieles für eine Herkunft der Turuk, Hsiung-nu und Hunnen aus der heutigen Mongolei und der angrenzenden Altai- und Sajangebirge. Diese drei Völker waren miteinander verwandt oder vielleicht sogar identisch, jedoch werden ihre unterschiedlichen Namen oftmals zur Illustrierung unterschiedlicher Sachverhalte verwendet:

  • Die chin. Bezeichnung Hsiung-nu wird in aller Regel nur für den Staat Mao-tuns verwendet und kennzeichnet die wohl stärker alttürkisch-mongolisch geprägten Gruppen (Augenform usw.) im Osten.

  • Die Bezeichnung Hunnen kennzeichnet eher die westwärts abgedrängten Gruppen der Hsiung-nu, die stärker mit indogermanischen Gruppen vermischt waren. Der Begriff taucht vor allem im Zusammenhang mit Attila in Europa auf. Allerdings verwenden ihn auch viele Autoren, meist im Kontext der Völkerwanderung, zusätzlich für die Hsiung-nu Chinas und illustrieren damit die Verwandtschaft beider Gruppen.

Nachfolgend seien hier die bekanntesten Varianten der Volksbezeichnungen aufgeführt:

  • Hun

  • Huna

  • Hunnen

  • Khuni

  • Chuni

  • Suni

  • Sunni

  • Hiung-nu

  • Hsiung-nu

  • Xun-nu

  • Xiong-nu

  • Xiyon

 

Vorgeschichte

Die Hsiung-nu gingen also wie die ihnen verwandten Hunnen aus einer Verschmelzung verschiedener Altai- und Sajanvölker hervor. Dort vermischten sich über mehrere Jahrhunderte etliche indogermanische Gruppen (Saken, Sarmaten) einerseits und mongolider Volksteile aus der Taiga sowie aus dem chinesischen Randgebiet vertriebene Viehzüchter andererseits. Die Chieh, einer der 19 Stämme der Hsiung-nu-Konföderation wurden zum Beispiel an ihren langen Nasen und vollen Bärten erkannt (349 v. Chr.).

Im 8. Jahrhundert v. Chr. verzeichnet man am Altai bereits Pferdeschirrungen und das Fehlen fester Siedlungen. Den Chinesen waren diese Barbaren unter den nacheinander benutzten Sammel-Bezeichnungen Jung, Ti und Hui und Hiu-yun bekannt. Die Ti werden beispielsweise in zwei Feldzügen (714 und 541 v. Chr.) als zu Fuß kämpfend beschrieben. Die Hsiung-nu – laut gängiger Überlieferung ein „Zweig“ der oben aufgeführten Stämme – waren überwiegend als Reiternomaden anzusehen. Doch einige von ihnen werden in Transbaikalien als sesshaft beschrieben.

Als legendenhafter Stammvater der Hsiung-nu und der Hunnen gilt Chungvi Khan, der erstmals 1800 v. Chr. erwähnt wird. Im Jahre 1766 v. Chr. soll in Inschriften der chinesischen Xia-Dynastie erwähnt worden sein, dass Kia – das 17. Mitglied dieser Dynastie – entmachtet wurde. Laut dieser legendenhaften Aufzeichnung begründete Kias Sohn Sunni mit 500 Stammesangehörigen den eigenständigen Hui-Stamm. Dieses Hui-Volk wurde laut Überlieferung und türkischer Turkologie zum tragenden Stamm der späteren Hsiung-nu und der Hunnen. Sunni begründete vielleicht auch den bedeutenden Tuyku-Klan, auf den sich vor allem die Herrscher der Hsiung-nu und der Hunnen zurückführten. Dieser war mit dem Klan der Aschina-Chuni eng verwandt und auf diesen Klan führten sich alle späteren Herrscher der Gök-Türken zurück.

Im Zeitraum von 350 bis 290 v. Chr. entstanden Befestigungsanlagen an den Nordgrenzen der chinesischen Teilreiche, die Vorläufer der Großen Mauer. Der Zhou-König Wu-ling (325–298 v. Chr.) z.B. ließ seine Truppen Reiten und Bogenschießen üben, übernahm auch die Kleidung seiner Feinde. Im 26. Jahr seiner Regierung vernichtete er die Wald-Hsiung-nu. Für 318 v. Chr. wird zum ersten Mal ein historisches Dokument überliefert, das nicht in den Bereich der Legenden zu verweisen ist: Ein Grenz-Vertrag zwischen den Chinesen und Hsiung-nu wird unterzeichnet.

 

Die Hsiung-nu

 

Staatsgründung

Um 300 v. Chr. setzte sich nun bei den Steppennomaden der Hsiung-nu die Volksbezeichnung Hunne durch, während die alte Bezeichnung Turuk nur noch auf den hunnischen Erbadel angewendet wurde. Für diese Zeit werden von den Chinesen auch vier hunnische Stämme (Xu-la, Lan, Hiu-bu, Siu-lin) verzeichnet, sie unterstanden meist den Tanhu (Königen der östlichen Hsiung-nu) .

Im 3. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Hsiung-nu unter Tu-men (Teoman) und seinem Sohn Mao-tun (209174 v. Chr.) ein großes Reich, das mehrfach Han-China bedrohte. Dieses Reich der verschiedentlich als Groß-Hunnen (türkisch: Büyük Hun) bezeichneten Hsiung-nu umfasste formal rund 18 Millionen km². Sein Schwerpunkt war die Mongolei, speziell das westmongolische Gool Mod, das sich in der Nähe des Mongolischen Altais befand und das zentralmongolische Ötüken'de Noyon-Uul (dem heutigen Noin Ula).

Die Hauptrivalen der Hsiung-nu bei der Reichsgründung Mao-tuns waren die gleichfalls nomadischen Stämme der Yüe-tschi im heutigen Kansu, die als Söldner der Chinesen galten. Gegen 176 v. Chr. waren sie samt ihren Nachbarn erstmals besiegt, was Mao-tun dem Han-Kaiser höflich mitteilte:

Der Große Schan-yü von Hiung-nu, den der Himmel auf den Thron erhoben hat, erkundigt sich ehrerbietigst beim Kaiser, ob er frei von Kummer sei. [...] Dann hat er Lö-lan, U-sun und Ho-k´ut mit 25 naheliegenden Reichen niedergeworfen, diese sind somit alle zu Hsiung-nu gemacht, und die Völker, welche Bogen spannen, sind nunmehr zu einer einzigen Familie vereinigt.

Für das Hsiung-nu-Reich Mao-tuns (Mete Bagatir, Maotun, Batur) sind uns durch die chinesischen Schriftgelehrten des Altertums zwei Banner überliefert worden, die sich allerdings sehr ähnlich waren: Goldfarbene und Rote Tücher mit einem Drachen in der Mitte, die sich die beiden Hsiung-nu-Herrscher von den Chinesen entliehen hatten. Vor der Reichsgründung führten die Stämme der Hsiung-nu und der Hunnen weiße Tücher, in denen mittig ein goldener Wolfskopf aufgelegt war.

Es werden bei den Hsiung-nu auch Elemente eines frühen Staates verzeichnet. In bestimmten Bereichen galten einheitliche Gesetze und Strafen. Ferner führte Mao-tun eine schnell einsetzbare militärische Gefolgschaft (Ordu) ein und es wurde eine starke Zentralverwaltung mit mehreren Rangstufen geschaffen, die unter Mao-tuns Sohn Ki-ok (Laosheng, reg. 174161 v. Chr.) ausgebaut wurde. Letzter führte auch eine Form staatlicher Abgaben (Steuern) ein.

Die Herrscher entstammten dem Suylyanti-Klan, einem Unterklan der Tuyku, und begründeten nun jene alttürkische Tradition, die alle nachfolgenden Steppenvölker nach ihnen für ihre "Nomadenreiche" übernehmen und ausbauen sollten; erst im 13. Jahrhundert würde diese Tradition durch die Militärschläge der Mongolen Dschingis Khans zerschlagen werden.

Doch über die unterworfenen Stämme herrschten die Tuyku- und Aschina-Fürsten nur formal, denn in der Praxis bestanden die eingegliederten Stämme weiter, die Hsiung-nu tauschten nur die jeweilige Führungselite aus. Das Hsiung-nu-Reich umfasste laut chinesischen Chroniken vier Völkerschaften und zerfielen in 24 Klans. Die bedeutenden von ihnen waren: Suylyanti, Kuyan, Lan, Suybu, Tsulin, Taychi, Uyti und Tsetszuy.

 

Machthöhepunkt

Die Chinesen der Han-Zeit beschrieben die Hsiung-nu als kampfeslustige, kraftvolle Menschen mit unterentwickelter Kultur, jedoch sei das Kriegshandwerk bei ihnen äußerst hoch entwickelt. Besonders die Reiterei und die Kunst des Bogenschießens wurden von den Chinesen hervorgehoben.

Einflussbereich der Hsiung-nu (209 v. Chr.–216 n. Chr.)

Mao-tun starb 174 v. Chr. und dessen Sohn Ki-ok (auch: Laosheng) trat die Nachfolge an. Unter Ki-oks Regierung bedrohten die Hsiung-nu 166 v. Chr. Chinas Hauptstadt Chang-an. Um 160 v. Chr. griffen sie ihre Erzfeinde, die Yüe-tschi an und besiegten sie endgültig. Ki-ok fand bei diesem Feldzug den Tod. Mit der Vertreibung der Yüe-tschi aus der heutigen chinesischen Provinz Kansu lösten die Hsiung-nu eine große Völkerwanderung aus. In der Zeit zwischen 141128 v. Chr. ließen sich die Yüe-tschi ihrerseits in Baktrien nieder, wo auch die mitgerissenen Saken (Teil der Skythen) verblieben.

Nach wiederholten Auseinandersetzungen besiegte Han-China unter Kaiser Wu-ti die Hsiung-nu und drängte diese in ihr eigentliches Stammland zurück: 119 v. Chr. erlitten die Hsiung-nu unter Mao-tuns Enkel Yizhixie (126–114 v. Chr) eine schwere Niederlage beim späteren Örgöö (heute Ulaanbaatar) in der Mongolei, da der Schan-yü den Chinesen unter dem Feldherrn Huo Qubing eine ungefährdete Durchquerung der Gobi nicht zugetraut hatte. Allerdings ging die chinesische Pferdezucht in diesem Krieg zugrunde, so daß den Hsiung-nu die Kontrolle der Steppe blieb (105. v. Chr. verbuchten sie wieder einen Erfolg).

In diesen Auseinandersetzungen wurde auch die Kontrolle über die Seidenstraße ein wichtiger ökonomischer Faktor für die Hsiung-nu, so dass sich die Chinesen dort festsetzten (102/101 v. Chr. und 7394, letzteres unter General Pan Chao).

 

Aufspaltung der Hsiung-nu und Ausblick

Um 60 v. Chr. zerfiel die Herrschaft der Hsiung-nu in 5 Horden durch eine Folge von Bruderkämpfen, die von China gefördert wurden. Es gelang unter Hu-han-yeh (58–31 v. Chr.) noch einmal eine vorübergehende Einigung. Hu-han-yeh ging an den Hof des Han-Kaisers Chinas, unterwarf sich und triumphierte so über seine Rivalen (51 v. Chr.). Eine Horde unter Chih-chih (die Chi-Chi-Hunnen) blieb jedoch unabhängig und ließ sich in der Nachbarschaft der Alanen am Tschu nieder, wo Chih-chih 35 v. Chr. von den Chinesen überrascht und getötet wurde.

Das Hsiung-nu-Reich erneuerte sich unter Hu-han-yehs Sohn Hudur-shi-dagao (18–45/6), der die späten Han gegen Wang Mang unterstützte. Aber im Jahr 48 rebellierten die südlichen Hsiung-nu unter ihrem Führer Khukhenye (auch als Pi bekannt) gegen Hudurs Sohn P'u-nu (er regierte 45/4683) und unterwarfen sich dem Kaiser von China. In dem Krieg der beiden Vettern spalteten sich die Hsiung-nu in einen nördlichen (auch westlichen) Teil und in einen südlichen (auch östlichen) Volksteil auf.

Die Han hetzten sofort die benachbarten Stämme (Süd-Hsiung-nu, Sien-pi, Wu-huan, Wu-sun, Ting-ling) auf die nördlichen Hsiung-nu und siegten. Im Jahr 87 töteten die proto-mongolischen Xian-bi den Schan-yü Yu-liu. In den Jahren 89 und 91 trugen zwei chinesische Generäle große Siege an den Chi-la-Bergen und dem Altai davon. Sie vertrieben den geschlagenen Schan-yü an den Ili und setzten seinen Bruder Yu-chu-kien ein, der aber schon 93 von den Sien-pi besiegt und getötet wurde. Damit begann die Vorherrschaft der Sien-pi in der Steppe.

Als Tan-shi-huai (ca. 156–181) die Sien-pi zu ihrem Machthöhepunkt führte, gaben die Nord-Hsiung-nu laut 3-4 chinesischen Chroniken 158 Ost-Turkestan auf und ließen sich nördlich von Kang-chu (d.h. nordöstlich des Aralsees) nieder. Ab 166 rückte Tan-shi-huai nach, erreichte den Ili. Die in der älteren Forschung oft geäußerte Annahme, dass aus den westwärts abrückenden Gruppen der Hsiung-nu die europäischen und asiatischen Hunnen (Attilas Hunnen, Chioniten, Hephthaliten) hervorgingen, wird in der neueren Forschung in Zweifel gezogen; die Hunnen Attilas wird man eher als Konglomerat verschiedener Völkerschaften ansehen müssen.

Die Süd-Hsiung-nu, bis dahin in einer Art Gefangenschaft an der Großen Mauer (konkret in Shansi) gehalten, drangen unter Hu-chu-ch'üan (195–216) als Verbündete der untergehenden Han-Dynastie immer weiter nach Süden vor. Unter Liu Ts'ung, dem Attila Chinas (gestorben 318) eroberten sie noch einmal die Hauptstädte Jin-Chinas, wurden aber schon 352 von den nachdrängenden Mujung-Sien-pi unter ihrem Khagan Tsun vernichtet.

Die Hsiung-nu hatten sich aber mit der Zeit bedeutend verändert. Auf ihren langen Zügen hatten sie sich mit anderen – meist indogermanischen – Völkern vermischt und begannen nun, deren Kultur zu übernehmen. Sie begannen feste Städte zu errichten und mit ausländischen Staaten regen Handel zu treiben. Unter anderem gründeten die Hsiung-nu die Orte Ordu Balyk und das weiter nördlichere Kara Balagasum, das alte Kuz Ordu. Aber auch die Städte der Seidenstraße wie Kara Hotscho, Kaschgar und Jarkand wurden von ihnen begünstigt.

Im Jahre 1957 fand man in Gool Mod, dem einstigen Heer- und Hauptlager des Hsiung-nu-Schan-yü durch Zufall eine riesige Gräberstätte der hunnischen Hsiung-nu. Darunter auch das Grab des zwanzigsten Schan-yü, der 37 n. Chr. verstarb. Dieses Grab wurde zwischen 2001 und 2002 von einer französisch-mongolischen Forscher-Gemeinschaft freigelegt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass die Hsiung-nu eine fortgeschrittene Kultur hatten und nicht das „kulturlose Volk“ waren, als das sie üblicherweise dargestellt werden. Obschon das Grab bereits kurz nach seiner Fertigstellung durch „awarische Stämme“ geplündert wurde, fanden sich dort noch 250 Gegenstände; beispielsweise feine Goldschmiedearbeiten und chinesische Schlangenornamente, die die Drachen- und Tiersymbolik der Steppenvölker ablöste, und die die Beziehungen der Hsiung-nu zu China aufzeigten, da auch ein chinesischer Spiegel dem Grabe beigelegt war.

Ein anderes bedeutendes Gräberfeld der Hsiung-nu ist zwischenzeitlich auch in Noin Ula (älter Noyon Uul) gefunden worden.


Siehe auch:

 

Literatur

  • Rene Grousset: Die Steppenvölker. Essen 1975

  • Denis Sinor: The Cambridge History of Early Inner Asia. Cambridge 1990

  • Parker, Edward: A thousand years of the Tartars. London 1996

  • Elcin Kürsat-Ahlers: Zur frühen Staatenbildung von Steppenvölkern. Berlin 1994

  • Altheim, Franz: Attila und die Hunnen. Baden-Baden 1951

  • Altheim, Franz: Geschichte der Hunnen. Band 1, Berlin [?]

  • Burchard Brentjes: Die Ahnen Dschingis-Chans. Berlin 1988

  • Denis Twitchett/M. Loewe: The Cambridge History of China. Cambridge 1986

  • Autorenkollektiv: Fischer Weltgeschichte Zentralasien. Frankfurt/M. 1991

  • Maenchen-Helfen, Otto: Die Welt der Hunnen. Wiesbaden 1997

  • Wirth, Gerhard: Attila. Stuttgart u.a. 1999

Quelle: www.wikipedia.de

 

Reich der Göktürken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Namensbedeutung

Die Alttürken werden heute als Köktürken beziehungsweise als Göktürken (Eigenbezeichnung: Köktürk beziehungsweise Göktürk) bezeichnet. Das alttürkische Kök beziehungsweise das neutürkische Gök bedeutet eigentlich „Blau“ oder auch „Himmel“. Mit dieser Bezeichnung wurde eine der Himmelsrichtungen angegeben. Aber auch die Verehrung des Himmels (Kök/Gök) und des Himmelsgottes Tengri, und der Glaube der alten Türken, dass türkische Herrscher vom Himmelsgott gesandt sind, dürfte in der Namensgebung eine Rolle gespielt haben. Der Tengrismus erlebte unter anderen in Göktürken-Reich seinen Höhepunkt.

Als Alternativbezeichnungen sind auch Kök-Turuk und Gök-Türük bekannt.

 

Vorgeschichte

Die frühen Steppenvölker werden heute vielfach als turko-mongolisch bezeichnet, aber auch die aus heutiger Sicht als rein türkisch bezeichneten Volksstämme schufen ihre eigenständigen Herrschaftsgebiete. Auch waren diese „Alttürken“ vielfach in den Diensten anderer Herrscher tätig, da sie sich gern als Söldner anwerben ließen. So kam es, dass sich die Turksprachen und die Kultur der alttürkischen Stämme vom Osten Asiens bis Europa ausbreitete.

Ob das erste Reich eines Turkvolks die Xiongnu schufen, als sie ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. vom Ergenekon (Altai) und Sajan ausgehend ein mächtiges Reich begründeten, entzieht sich unserer Kenntnis. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste nicht nur die heutige Mongolei, sondern auch weite Teile Chinas.

Die fünf Reiche::

Alle Gründungslegenden der Alttürken sind allein aus chinesischen Quellen überliefert worden. Erste eigene Ursprungslegenden Klangordnung (idi oqsız kök türk) bezeichnet werden und in denen er sich auf die Zeit vor 552 bezieht.

Spätere Turkvölker wie die Uiguren nannten die alttürkischen Stämme nur noch türk, wie uns eine uigurische Inschrift bezeugt: bu qamuğ türk budun = „das ganze Türken-Volk“.

Das erste Göktürken-Reich (552–581)

Mitte des 2. Jahrhunderts ging die Zeit der Xiongnu endgültig zu Ende, diese zogen nun in westlicher Richtung ab und die Xianbei und Rouran traten ihr Erbe an. Die Herrschaft der in der europäischen Wissenschaft manchmal als „Awaren“ bezeichneten Rouran ging 552 zu Ende. Die eigentlichen Awaren zogen im 5. Jahrhundert

Im Jahr 552 erschien nun das von den Chinesen als „Tūjué“ bezeichnete Turkvolk in den chinesischen Annalen. Diese waren ursprünglich in Ost-Turkestan und dem Altai ansässig und übernahmen die Tradition und verwaltungstechnische Erfahrung ihrer Vorgänger. Stammesmäßig waren sie den Oghusen

Sie gründeten unter dem Heerführer Tumen Khan ein Reich, das seinem Umfang nach fast dem der Xiongnu entsprach. Tumen entstammte dem „Tukyu-Klan“, der mit dem „Aschina-Klan“ verwandt war. 546

Sein Reich der Göktürken bestand nun von 552 bis 745 als Verbindung nomadischer Orchon--QuelleOrdu Balyk bekannt war.

Das Göktürken-Reich wurde sowohl vom Buddhismus als auch vom Manichäismus und von der assyrischen Kirche missioniert, blieb aber stark vom Schamanismus

Im Grunde blieb das Gesamtreich dieser Türken stets eine lose Stammesföderation, bei der die einzelnen Stämme bestehen blieben. Staatstragendes Volk wurden vor allem die Stämme der neun Oghusen und die Volksnamen der anderen Stammesgruppen sind seit Mahmud al-Kaschgari (1073) in seinem arabischsprachigen Werk „Diwan-u Luğat-it Turk“ überliefert. Demnach wurde das türkische Gesamtreich von jenen Völkern bewohnt, die noch heute unter ihren damals aufgeführten Namen bekannt sind.

Der Turkut-Führer Tumen († 552) nannte sich nach 546Bumin Ilkhan“ (aus alt- und neutürkisch „Bumin, der erste Han/Hakan/Kaghan“), nahm 551 den Khagan-Titel an und besiegte 552 den letzten bedeutenden Rouran-Herrscher Anakai (reg. 52052), nachdem sich dieser geweigert hatte, seine Tochter Bumin zur Frau zu geben. Anakai beging nach dieser Niederlage Selbstmord.

Auf der anschließenden Kuriltai Xiongnu gewesen war..

Die Nachfolger Anakais, Kēluō 羅 (auch Yǐxījì , reg. 55253, Dèngshū 鄧叔(553), Kudi (553) und Ānluōchén 庵羅辰 (55357), versuchten zwar noch, ihre Unabhängigkeit zu wahren. Dennoch kamen sie unter den Einfluss der Osttürken.

Nach dem plötzlichen Tode Bumins wurde der älteste Sohn Bumins, Keluo oder auch Kolo als „Qara-Issyk Khagan“, auf einem Kuriltai als Herrscher eingesetzt. Er saß nur kurz auf dem Thron und wurde von seinem jüngeren Bruder Sekin alias „Kushu Muqan-Khagan“ († 572) beerbt. Es ist möglich, dass Bumins Bruder Istämi bei beiden Thronwechseln seine Hand im Spiel hatte. Sekin „Kushu Muqan-Khagan“ unterwarf um 560 die Kitan und richtete die Augen auf China.

Zu der Zeit wurde das Gesamtreich praktisch in zwei Hälften geteilt, denen einmal Sekin alias „Kushu Muqan-Khagan“ selbst, andererseits aber Bumins fähiger Bruder Istämi Shad († 576Oghusen“ bezeichneten Stämme siedelten damals noch in der östlichen Hälfte des Reiches und unterstanden vor allem Sekin. Die Chinesen erkannten die Zerrissenheit der Turkstämme und begannen bald, diese gegeneinander auszuspielen.

Im Interesse des Krieges gegen die Hephthaliten Mittelasiens suchten die Stämme Istämis den Anschluss an das sassanidische Persien oghusischen Oberschicht) nahmen nun den Namen Köktürkleri (also „Göktürken“) an. Sie begannen 557 den Kampf gegen die Hephthaliten. Deren geschlagene Reste brachen wahrscheinlich als Awaren in Europa ein. Istämis Machtbereich erstreckte sich nun formal bis zur Wolga: „Erst schlage ich die Awaren, dann vernichte ich die Hephthaliten??? soll er während dieses Feldzuges gesagt haben. Und wirklich, 558 konnte er die als „Awaren“ bezeichneten Völker besiegen und nach Westen abdrängen.

Um 563 waren auch die Hephthaliten besiegt, Istämi machte nun seinen Machtbereich vom göktürkischen Gesamtreich unabhängig, indem er erst den selbständigen Titel eines Syr-yabgu und später den Khagan-Titel annahm.

Erste Kontakte mit Osteuropa 563 auf: Unter der Führung eines gewissen Axije Khan erschien eine Gesandtschaft am Hof des byzantinischen Kaisers, um diesen von seinem Bündnis mit dem persischen Königshaus der Sassaniden abzubringen.

Ein Sohn Istämis, Bokhan Shad, brach vermutlich noch im Todesjahr seines Vaters (576/77) ebenfalls nach Byzanz auf, wo er am Hofe des Kaisers als „Turk Shad“ erschien. Damit trat das „Reich der Westtürken“ erstmals in das Blickfeld der Europäer. Dieser herrschte über eines der acht Khaganate, in die das Westreich damals geteilt war. Es ist zu vermuten, dass dieses das Khaganat der Tardusch war, in dem dessen älterer Bruder Qara-Churin Turk Bogiu als Khan herrschte (nach anderen Quellen werden auch die Tölös genannt). Bokhan Shad suchte vorher den Schulterschluss mit dem Utriguren-Herrscherr Anagai Khan, der damit zum treuen Vasallen des Göktürken-Herrschers aufstieg. Dieser unterstützte Bokhan immer wieder bei dessen Feldzügen gegen die hunnischen Restvölker wie die Awaren und Bulgaren

Istämis Sohn Qara-Churin Turk Bogiu regierte in der Zeit von 576 bis 603 über das gesamte Westreich. Dort nahm er den Namen „Qara-Churin Turk Tardush Khan“ an, den die westliche Welt in den Namen „Tardu“ verschliff. Nach dem Tode seines Vetters „Kushu Muqan-Khagan“ (572) setzte er dessen jüngeren Bruder Arslan Tobo-Khan (dem „Taspar“ des Westens, † 581) als Herrscher im „Reich der Osttürken“ ein. Auch Taspar war noch formal Gesamtherrscher.

Taspar schlug aus dem Niedergang des Tabgatsch-Reiches Kapital, das inzwischen in zwei miteinander verfeindete Blöcke zerfallen war: Die Dynastie der Nördlichen Qi herrschte 550070 im Osten des einstigen Wei 557780) den Westen des alten Wei-Reiches innehatte. Taspar und Tardu spielten beide Seiten in ihrem Sinne gegeneinander aus, so dass die Tabgatsch vielfach als ihre Vasallen erschienen.

Die Osttürken waren auf dem Wege, eine bedeutende Macht aufzubauen, als sich ihre Fürsten Taspar, Tardu und der spätere Abo Khagan wegen der Erbfragen und der Förderung des Buddhismus durch Taspar entzweiten.

 

Aufteilung des ersten Göktürken-Reichs (581–603)

581 chinesischee Diplomatie kräftig schürte. Der Osttürke Shetu Baga Yshbara (reg. 581-87) sagte sich 584 endgültig vom Gesamtreich los und das Reich der Göktürken zerfiel nun in zwei verfeindete Teilstaaten, die von der chinesischen Sui-Dynastie gegeneinander ausgespielt wurden. Yshbara herrschte nur formal über die östlichen Göktürken, da er mit Abo Khagan einen „Schattenherrscher“ eingesetzt hatte. Abo suchte nun auch seinerseits den engen Schulterschluss mit der chinesischen Sui-Dynastie und wollte Yshbara absetzen lassen.

Darauf hin zog Yshbara gegen Abo in den Krieg und tötete dessen Mutter; Abo selbst floh zu den Westtürken unter Tardu. Ein wenig später konnten sich Abos engste Freunde und Verbündete in den Machtbereich Tardus retten, nachdem Yshbara begonnen hatte, alle möglichen Rivalen um die Macht auszuschalten beziehungsweise zu ermorden. Diese Flüchtlinge waren: Tanhan Khagan und dessen Onkel Diqin Shad.

Gegen 583 zogen Tardu und Apo mit 100.000 Mann und in enger Zusammenarbeit mit den Kitan gegen Yshbara. Dieser ersuchte nun offiziell die Sui-Chinesen um Waffenhilfe, die ihm aber nur formal erteilt wurde; die Sui-Herrscher wollten sicher sein, dass sie „auf das richtige Pferd“ setzten, zumal Yshbara erst 585 den Lehnseid des chinesischen Kaisers angenommen und zu dessen Vasall aufgestiegen war.

Mangels Erfolgs wandte sich Abo nun gegen Tardu und setzte ihn ab. Dieser musste zu den Sui fliehen. Dort blieb Tardu bis Yshbaras Bruder und Nachfolger Chulo-Khan (587-588) Apo Khagan tötete und er zurückkehren konnte. Da Chulo-Khan kurze Zeit später starb und mit Dulan-Khan und Zhangar Kimin-Khan zwei konkurrierende Herrscher hinterließ, wurde Tardu wieder zum maßgeblichen starken Mann im Türkenreich.

In der Zeit zwischen 590 bis 603 hatte Tardu die meisten Stämme der Göktürken in seinem Reich vereint, so dass das Gesamtreich wiederhergestellt schien. Seinen Erfolg konnte nicht einmal die Niederlage seines Sohnes Shaba Shad mindern, der bei Herat von den Sassaniden geschlagen wurde. Ironischerweise wird eben dieser Shaba in späteren muslimischen Schriften als „der größte Herrscher der Türken“ verherrlicht.

Nun riefen 603 die Sui-Herrscher die östlichen Stämme der Göktürken auf, gegen Tardu vorzugehen und die zeitgenössischen Quellen der Chinesen zählten dabei sieben Stämme namentlich auf. Tardu zog sich geschlagen zu den Tuyuhun ins tibetische Bergland zurück, wo sich schließlich seine Spur verliert. (Die Tuyuhun waren ein kleines erfolgreiches proto-mongolisches Mischvolk, das vermutlich aus der Vermischung der Xianbi mit Tibetern entstanden war und das eine turukisch-hunnische Oberschicht aufwies.) Die Nachfolge Tardus versuchte der damalige Nominalherrscher der Osttürken, Zhangar Kimin-Khan (reg. 597-609, der „Tuli Khan“ westlicher Geschichtsbücher), anzutreten.

 

Untergang des Ostreiches (603–630)

Die Niederlage Tardus brachte eine Schwächung des Ostreiches mit sich. Dort herrschten die Brüder Dugi Shibir-Khan (reg. 608-19) und Chulo Khan (619-20). Sie waren die Söhne Tuli Khans. Bis 618 mussten sie sich noch als Vasallen der Sui ansehen, dann unterstützten sie den Sturz dieser Dynastie.

Mit dem Beginn der Tang-Dynastie (618) wurde der Einfluss Chinas auf das Osttürken-Reich verstärkt. (Der einstige chinesische General Li Yuan und nachmalige Kaiser Tang Gaozu war selbst halbtürkischer Herkunft und viele seiner erfolgreichsten Heerführer waren Türken. Unter der von ihm gegründeten Dynastie sollte schließlich das erste Göktürkenreich endgültig zerfallen.)

Shibis Bruder, Kat Ilkhan Tugbir (reg. 620-30), er war auch als „Xiélì  Khagan“ bekannt, fiel zwar immer wieder in die chinesischen Nordgebiete ein, war aber ansonsten ein machtloser Herrscher. Schließlich suchten sich die Tang-Herrscher Verbündete aus dem alten Aschina-Klan. Sie förderten einen General der Schwarzen Türgesch, einen gewissen „Karakhan Türgesh-Khan Idat Shad“, in seinem Streben nach einem eigenen Herrschaftsgebiet und dieser sollte dem Osttürken-Reich den Todesstoß geben. Er fiel immer wieder ins Herrschaftsgebiet Xielis ein und fügte ihm mehrere empfindliche Niederlagen zu. Schließlich kam es im Bereich der Osttürken zur Rebellion und Xieli wurde 630 abgesetzt. Xieli selbst geriet in chinesische Gefangenschaft, wo er auch 6344 verstarb.

Der Ostteil des einstigen Reiches wurde chinesische Provinz (ranghohe Würdenträger der alten Aschina-Dynastie traten verstärkt in chinesische Dienste und trugen nun chinesische Namen) und der Westteil geriet immer mehr ins Wanken...

 

Untergang des Westreiches (603–659)

603 und 659 auch für den einstigen Machtbereich Tardus weitreichende Folgen. Zwar bildeten auch hier im einstigen Westreich die Westtürken eine mächtige Stammesföderation, doch waren die ethnischen Grundvoraussetzungen völlig andere. Während in der ehemaligen Osthälfte des Reiches vor allem die Stämme der Oghusen über artverwandte mongolische Völker herrschten, war der Machtbereich der ogurisch-oghusischen Stämme durch indogermanischee beziehungsweise iranische Völkerschaften geprägt. Die Türken des Westreiches waren wie ihre Vorfahren Nomaden, während die unterworfene Bevölkerung überwiegend sesshaft war.

Im Laufe des 6. und 7. Jahrhundert türkischen Turkologie nicht umstritten, ob Tardus Nachfolger der unmittelbaren Linie Istämis oder der Linie Abos angehörten.

Die späteren Nachfolger reformierten 8. Jahrhunderts, in Stein verewigt.)

Tardus unmittelbarer Nachfolger wurde Nili Khan (reg. 600-604). Doch ihm folgte 604 Basy-Tegin, der noch im selben Jahr von Taman Nipo Chulo-Khan (reg. 604-12), der auch als „Ch'u-lu-hou Khagan“ oder „He-sa-na“ bekannt war, gestürzt wurde. Doch dieser galt als schwächlicher Herrscher, der sich während seiner Regierungszeit immer wieder mit blutigen Revolten herumschlagen musste. Doch ihm folgte ein jüngerer Bruder Tardus, Shegui Khagan (reg. 612-18/19), auf den Thron. Dieser Shegui dehnte seinen Machtbereich bedeutend nach Osten aus, so dass ihm schließlich die Gebiete vom Altai bis zum Kaspischen Meer unterstanden.

Unter Shegui blühte das Westreich auf, das nun zum Rivalen des Ostreiches Shibis aufstieg. Sheguis jüngerer Bruder Tun-Yabgu Khan bestieg als Tǒng Yèhù den Thron des Westreiches und dehnte die Herrschaft der Westtürken bis auf das heutige Afghanistan aus. Tun galt auch als Herrscher von Wusun, als der Beherrscher des Ili-Tales. Damit standen auch jene Stämme unter seiner Kontrolle, die später als „Uyghuren“ in die Geschichte eingehen sollten. Er galt auch als enger Verbündeter des byzantinischen Kaisers Herakleios (reg. 610-14) und trat auch im Kampf gegen die Sassaniden im Kaukasus an. Er wurde damals als Verbündeter der Araber angesehen und als diese 642 die Kaukasusregion erobern und damit auch die Sassaniden vernichten konnten, da hatte Tun schon die Vorarbeit für sie geleitstet.

Tun hatte seine Hauptresidenz in der Stadt Qiānquán , der „Stadt der 1000 Brunnen“. Diese befand sich östlich des Talas und Tun begann, das Reich der Westtürken zu reformieren. Er baute seine Verwaltung stetig aus und führte die Tǔtún 吐屯, die Steuereintreiber ein. Diese Tutun überwachten ihrerseits die Il-Teber, die Statthalter des Khagans. Doch Tun beging einen gewaltigen Fehler: Er band sich zu sehr an die Tang-Dynastie Chinas und vergaß darüber hinaus seine nomadischen Stammesbrüder.

Es kam in der Folgezeit zu mehreren blutigen Aufständen, die vielfach von China geschürt wurden. So beispielsweise 627 bei dem der Karluken. Diese „Karluken“ genannten Westtürken begannen mit dieser Revolte ihren politischen Aufstieg im Westreich. In ihrem Machtbereich lag unter anderem das den Göktürken heilige Ötüken-Gebirge und so sahen sich die Karluken als rechtmäßige Herrscher des Reiches.

Als die Unruhen im Reich zunahmen, ließ ein Onkel, Bagadur Kiuliug Shibir-Khan, Tun-Yabgu Khan 630 heimtückisch ermorden und bestieg nun selbst als „Mohedu Hou Qiuli Sipi Khagan“ den Thron der Westtürken.

Doch führte die Ermordung Tuns nicht, wie erhofft, zur erneuten Reichseinheit aller Göktürken, sondern es brach im Westreich ein grausamer Bruderkrieg um die Vorherrschaft aus. Dieser Bürgerkrieg zerschlug nun die alten Stammesbande und es entstanden neue turkvölkische Stämme, die sich nun aus Resten der West- und Osttürken bildeten. So kam es zum Beispiel unter der Regierung Yshbara Tolis-Shad Khilash-Khan (reg. 634-39), der den Chinesen als „Shābōluo“ bekannt war, zur Stammesbildung der On-Oq. Sie waren eine Stammesföderationn, bestanden aus Tolu und Nushibi. Doch auch bei diesen herrschte eine starke Rivalität untereinander. Es kam zu stetig wechselnden Herrscherhäusern im Westreich, die China immer wieder auszuspielen versuchte.

Erst mit Jubi Khagan (reg. 645-50) erlangte ein Westtürke wieder richtige Macht, als dieser begann, am Jenissej die Stämme der Kirgisen zu unterwerfen.

Schließlich griff Tang-China 659 aktiv in die Stammeskämpfe der Westtürken ein und nahm den Herrscher der Tolu, Aschina Holu Khagan, gefangen. Seit diesem Zeitpunkt an beherrschte der Tang-Kaiser Chinas de facto alle Länder an der Seidenstraße bis hinein nach Persien. Das Reich der Westtürken wurde nun in zehn eigenständige Präfekturen eingeteilt, die auf alte Stammesgrenzen keinerlei Rücksicht nahmen. Nur der Kirgisenstamm lebte in einer Präfektur, die seinem alten Stammesraum entsprach.

In der Zeitspanne zwischen 659 und 679 begannen auch die Angriffe der Tibeter auf das nunmehr „chinesische“ Westreich, die schließlich die „vier Garnisonen“, Kaschgar, Hotan, Kuqa und Karaschahr, einnehmen konnten; damit waren große Teile der On-Oq den tibetischen Herrschern untertan.

 

Das zweite Göktürken-Reich (681–745)

Ab 681 tat sich Karakhan Türgesh-Khan Idat Shad, ein Führer des Aschina-Klans, hervor, den die Geschichte heute als „Kutluq Ilteris“ kennt. Dieser war einst Söldner türkischenn Turkologie meist nur als „Karluken-Herrschaft“ (türkisch: Karluk Devleti) bezeichnet wird und das in der westlichen Geschichtsschreibung als „Reich der Ilig-Khane“ bekannt ist. In diesem Reich spielte in der Tat der Karluken-Stamm die tragende Rolle, da sich auch die übrigen Türgesch ihnen schnell unterwarfen. Dieses neue Türkenreich kontrollierte nach zahlreichen Kriegszügen die Steppen von der Großen Mauer bis zu den Außenposten der (seit 705 nach Transoxanien vordringenden) Araber. Das Zentrum war die Gegend des Changai-Gebirges.

Zwar musste Ilteris 681 eine herbe Niederlage gegen die Chinesen einstecken, doch seinem persönlichen Erfolg tat diese keinen Abbruch. Ab 682 begann er mit 16 verbündeten Stämmen die Göktürken zu vereinen. Einen Verbündeten hatte er in Tonyukuk, der dem verwandten „Ashite-Klan“ vorstand und den er zum „Apatar-Khan“ ernannte – zum obersten Befehlshaber seiner Truppen.

In der Zeitspanne zwischen 683 und 687 unterwarf er die meisten Stämme des alten Ostreiches, nur der Tolu Herrscher Hushile Khagan konnte sich mit einigen Stammesangehörigen nach China flüchten.

Als Ilteris 691 verstarb, wurde sein Bruder Bökö (reg. 692-716) auf einer Kuriltai der Stämme zum Oberhaupt des Reiches ernannt und er nahm nun den Namen „Kapagan Khan“ an. Dieser hatte unter anderem eine chinesische Erziehung genossen und war dem entsprechend dort als „Moch’o“ bekannt. In dessen Regierungszeit gedieh noch einmal das erneutere Göktürken-Reich.

Er stand dem Reich nur als Vormund seines Neffen Kül-Tegin vor, der damals sechs Jahre alt war. Nur deshalb kann man sich erklären, das Kapgan nicht den Khagan-Titel annahm. Ihm unterstellten sich unter anderem die Stämme der Karluken und Oghusen freiwillig und 699 war das Westreich wieder mit dem Ostreich vereinigt. Aber auch nichttürkische Völker wie die Kitan wurden unterworfen.

Zwar führte Kapagan ein hartes Regiment über die Völker seines Reiches. So kam es erneut 711/12 zu Unruhen unter den Völkerschaften der Basmilen und Teilen der On-Oq. Doch im Großen und Ganzen blühte nun im Göktürkenreich der Wohlstand.

Im Kampf gegen die muslimischen Araber, die ab 705 Mittelasien Buchara blutig zurückgeschlagen. Um 715 kam es auch zum endgültigen politischen Bruch zwischen den beiden Türkenreichen. Unter der Führung der „Karachane“ und der Türgesch sagte sich das Westreich erneut vom Ostreich los und ging nun eigene politische Wege. Ihr erster Führer war Sulu Khan (reg. 717-734), der erneut Kämpfe gegen die Araber führte.

Dabei kam es nun zu einer folgenschweren Entwicklung: Im Ostreich begannen die Oghusen langsam westwärts zu wandern und sich im Gebiet der alten Oguren nieder zu lassen. Dort kam es zur Vermischung beider verwandter turkstämmigen Völkerschaften. Im Ostreich blieb nur noch eine kleine oghusische Minderheit als Herrscherschicht über die mongolischen und tungusischen Völker.

Auf einer Strafexpedition gegen jene Stämme, die von den Tang-Chinesen gegen ihn aufgehetzt worden waren, verlor Kapagan sein Leben: 716 wurde er nördlich des Tula heimtückisch von Angehörigen des Bayırqu-Stammes ermordet.

Mit dem plötzlichen Tode Kapagans drohten neue Wirren. Besonders tat sich da Ilteris’ Sohn Kül-Tegin hervor. Fugiuy-bogiu Kuchuk-Khan ernannte sich 716 zum Herrscher der Göktürken. Doch wurde auf einem Friedens-Kuriltai nicht er oder Kül-Tegin, sondern Kutluq Bilge-Kül (ein anderer Sohn Ilteris’) zum Khagan ausgerufen. Dieser holte sich jedoch Tonyukuk Apartar-Khan und Kül-Tegin als Berater an seine Seite, damit war der Frieden im Reich wieder formal hergestellt. (Mit diesem Herrscher begann auch der eigentliche politische Aufstieg der späteren Uyghuren

Kutluq Bilge-Kül veränderte erfolgreich die Kriegstechnik: Die erfolgreichste Kriegstruppe stellten die berittenen Bogenschützen. Die besten Schützen durften weiße Falkenfedern an ihren Helmen tragen. Entschlossen und hoch diszipliniert griffen sie in einer Pfeilformation ihre Gegner an. Dabei trugen sie Rüstungen aus hartem Leder oder aus Metall. Kutluq Bilge-Kül warb darüber hinaus Söldner aus anderen Völkerschaften an, so dass in seinen Reihen sowohl Türken als auch Mongolen, Tanguten und zahlreiche Chinesen kämpften.

Kutluq Bilge-Kül dehnte ab 717 den Machtbereich des Göktürkenreiches immer weiter aus: Er unterwarf nun alle Gebiete bis zum Syr-Darja im Westen, im Osten reichte sein Machtbereich bis in die chinesische Provinz Shandong und im Süden bis Tibet. Auch die Stämme der Tula-Region konnte er schließlich unterwerfen, was seinen Vorgängern Idat und Kapagan nicht gelungen war.

Kutluq Bilge-Küls Reich umfasste nun wieder um die 18 Millionen km² und hatte im Wesentlichen jene Ausmaße erreicht, die das Reich der Xiongnu aufgewiesen hatte. Er führte nun jenes Banner ein, das heute als Sinnbild der Göktürkenherrschaft gilt: ein blaues Tuch, dem mittig ein Wolfskopf aufgelegt war. (Bei den Göktürken im Ostreich war der Wolfskopf in gold-gelber und bei denen im Westreich in mattgrüner Farbe gehalten. Gerade die letztere Variante ist heute zum Sinnbild des Göktürken-Reiches geworden.)

Das Reich der Göktürken umfasste nun die Gebiete vom Schwarzen Meer bis China und vom Altai bis zum Hindukusch. Es bestand also nicht nur aus Steppe, sondern auch aus Wüste.

Der Rang des Khagan hatte sich nun verändert: Ursprünglich nur ein untergeordneter Führertitel (der weit unter dem alten Titel des „Shanyu beziehungsweise des „Tanhu“ stand), war er nun für die späten Göktürken ein Halbgott. Sein Zelt, die Jurte, bestand aus reich bestickter roter Seide.

Im Sommer zog nun der Herrscher Kutluq Bilge-Kül mit seinem Hofgefolge in die üppigen Weidegebiete des Nordens und im Herbst wieder nach Süden.

731 verstarb nun Kül-Tegin und so stieg Tonyukuk zum alleinigen Ratgeber Kutluq Bilge-Küls auf. Diese Tatsache ist in den Inschriften des Tonyukuk belegt. Doch war Kutluq Bilge-Kül kein langes Herrscherdasein beschieden, denn bereits 734 wurde er vergiftet. Aber er konnte noch auf dem Totenbett die Hinrichtung seiner Mörder und deren Anstifter miterleben. Es waren Angehörige des Basmil-Stammes, der dadurch in Ungnade fiel.

Auf der Kuriltai setzten 734 die Anhänger Bilge-Küls die Wahl seines Sohnes Yiran durch. Doch dieser verstarb noch im selben Jahr, so dass dessen minderjähriger Sohn Bilge Kutluq-Tengri zum Herrscher bestimmt wurde. Als dessen Vormünder wurden ihm zwei seiner Onkel zur Seite gestellt, in deren Händen die wahre Macht lag. Der „linke Schad“, Il-Itmysh Bilge-Khan, herrschte über den Westen, der „rechte Schad“, Ozmysh Khan, über die Gebiete des Ostens; das Göktürkenreich drohte erneut in zwei unabhängige Teilreiche zu zerfallen.

Als 740 Tang-China die Herrschaft Tengris über die Osttürken anerkannt hatte, lud dessen Mutter Pofu Il-Itmysh Bilge, den „linken Schad“ der Westtürken, zu einer Kuriltai ein. Dort kaum eingetroffen, wurde dieser von der Leibgarde der Mutter ergriffen und enthauptet. Die Westtürken unterstellten sich darauf hin Tengri, der sich nun den Namen des „Oghus Khan“ zulegte. Doch dieser Verrat der Mutter brachte eine schreckliche Folge mit sich: Der andere Onkel, Ozmysh Khan, der „linke Schad“ der Ostgebiete, sah sich mit der Namensgebung Tengris in seiner Macht bedroht und er griff nun 741 Tengri an und ermordete diesen.

Ozmysh Khan gedachte nun, die Nachfolge Tengris anzutreten. Unter dem Namen „Wusumishi“ nahm er den Khagan-Titel an, doch er war ein unbeliebter Herrscher. Vor allem die Stämme des Westens verabscheuten ihn, und die Basmil galten als dessen ärgste Feinde. 744 einigten nun die Karluken die Stämme der Basmil und Oghusen und griffen Ozmysh an. Dieser wurde bei den Kämpfen getötet und mit dessen Tod ging das zweite Göktürkenreich zu Ende.

Bomei-Tegin Khan, der Bruder des 744 ermordeten Ozmysh Khagan, versuchte zwar noch als „Bomei Khagan“ die Macht im Ostreich an sich zu reißen, doch konnte er bereits 745 von Angehörigen der Uyghuren ermordet werden.

Karluken, Oghusen und Basmilen gründeten nun auf dem Boden des Ostreiches das Uyghurische Reich.

Erster Herrscher aus dem „Uyghuren-Geschlecht“ war der chinesische Söldner Gulipeiluo. Dieses Reich sollte von 744 bis 840 bestehen. Gulipeiluo nahm nun den Titel „Kutluq Bilge-Kül Khagan“ an und machte die Stadt Kara Balgasun (am oberen Orchon, das alte Ordu Balyk und spätere Karakorum, zum Zentrum seines Reiches. Die Karluken hatten schließlich in Kuz Ordu, dem heutigen Balasagun, ihren Hauptsitz.

Die Karluken schufen als erstes türkisches Volk in der Geschichte eine einheitliche Amtssprache, die bis zum persischen Choresm-Reich ausstrahlte und heute entweder als „Karluk-Choresmisch“ oder als „Karluk-Uigurisch“ bezeichnet wird.

 

Liste der Göktürken-Khane

 

Erstes Göktürken-Reich

  • Bumin Khagan <=> Bumin Ilkhan <=> Tuman Iligkhan <=> Tumen Khan (534-52)
  • Qara-Issyk Khagan <=> Kelo Khan <=> Kolo Khan <=> Kök-Khan (552)
  • Kushu Muqan-Khagan <=> Sekin Khan (553-72)
  • Taspar Khan <=> Arslan Tobo-Khan (572 -81)
  • Amrak <=> Tanhan Khagan (581)
  • Shetu Baga Yshbara-Khan (581-87)
  • Chulo-Khan Tolos-Shad (587-88)
  • Yun Yolliyg Dulan-Khan (588-99; Gegenherrscher zu Zhangar)
  • Qara-Churin Turk Bogiu (Tardush)-Khan <=> Tardu (576-603; Westtürke)
  • Zhangar Kimin-Khan <=> Tuli Khan (597-609; Gegenherrscher zu Dulan-Khan und Qara-Churin)
  • Dugi Shibir-Khan (609-19)
  • Chulo Khan (619-21)
  • Kat Ilkhan Tugbir <=> Xieli Khagan (621-30)
  • Chebi-Khan (630-49; Machtzentrum Altai und Gegenspieler Chinas)
  • Symno ?? (639-41)
  • Nishu-Beg (679-80; Rebellenführer)
  • Funian (680-81; Rebellenführer)

 

Zweites Göktürken-Reich

  • Kutluq Ilteris Khan <=> Karakhan Türgesh-Khan <=> Idat Shad (680-91)
  • Kapagan Khan <=> Bökö Chor <=> Mo-ch'o (691-716; ermord.)
  • Fugiuy-bogiu Kuchuk-Khan (716)
  • Kutluq Bilge-Kül Khan <=> Mogilian Bilge-Kül (716-34; ermord.)
  • Yollyg-Tegin Izhan-Khan (734-39)
  • Bilge Kutluq Tengri-Khan (739-41)
  •  ??
  • Siuan Khan (741)
  • Il-Itmysh Bilge-Khan (741-42)
  • Ozmysh Khan (742-43)
  • Bomei-Tegin Khan (743-45)

 

Siehe auch

 

Literatur

  • René Grousset: Die Steppenvölker. Attila, Dschingis Khan, Tamerlan, Magnus-Verlag, Essen 1975
  • Elcin Kürsat-Ahlers: Zur frühen Staatenbildung von Steppenvölkern. Über die Sozio- und Psychogenese der eurasischen Nomadenreiche am Beispiel der Xiongnu und Göktürken, mit einem Exkurs über die Skythen, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-07761-X
  • Edward H. Parker: A thousand years of the Tartars, Routledge, London 1996, ISBN 3-415-15589-4
  • Denis Sinor (Hrsg.): The Cambridge History of Early Inner Asia, CUP, Cambridge 1990
    • 1. - From the earliest times to the rise of the Mongols, 1994, ISBN 0-521-24304-1 (bis jetzt nur dieser Bd. erschienen)


Reich der Göktürken
 

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Namensbedeutung

Die Alttürken werden heute als Köktürken beziehungsweise als Göktürken (Eigenbezeichnung: Köktürk beziehungsweise GöktürkKök beziehungsweise das neutürkische Gök bedeutet eigentlich „Blau“ oder auch „Himmel“. Mit dieser Bezeichnung wurde eine der Himmelsrichtungen angegeben. Aber auch die Verehrung des Himmels (Kök/Gök) und des Himmelsgottes Tengri, und der Glaube der alten Türken, dass türkische Herrscher vom Himmelsgott gesandt sind, dürfte in der Namensgebung eine Rolle gespielt haben. Der Tengrismus erlebte unter anderen in Göktürken-Reich seinen Höhepunkt.

Kök-Turuk und Gök-Türük bekannt.

 

Vorgeschichte

Die frühen Steppenvölker werden heute vielfach als turko-mongolisch bezeichnet, aber auch die aus heutiger Sicht als rein türkisch bezeichneten Volksstämme schufen ihre eigenständigen Herrschaftsgebiete. Auch waren diese „Alttürken“ vielfach in den Diensten anderer Herrscher tätig, da sie sich gern als Söldner anwerben ließen. So kam es, dass sich die Turksprachen und die Kultur der alttürkischen Stämme vom Osten Asiens bis Europa ausbreitete.

Ob das erste Reich eines Turkvolks die Xiongnu schufen, als sie ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. vom Ergenekon (Altai) und Sajan ausgehend ein mächtiges Reich begründeten, entzieht sich unserer Kenntnis. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste nicht nur die heutige Mongolei, sondern auch weite Teile Chinas.

Ab 48 begann der stetige Zerfall des Xiongnu-Reiches, als sich auf seinem Gebiet fünf hunnischgeprägtee

Die fünf Reiche::

    Chi-Chi-Hunnen, die in den Gebieten des Balchaschsees siedelten.
  • Das zweite war das der Nord-Hunnen, die um 90-91 in der Baikal-Orchunregion, genauer in den Gebieten von Tschungaria und Barkol, lebten.
  • Das dritte war das der Süd-Hunnen im Süd-Westen Chinas. Sie unterstanden meist der Oberherrschaft der Xianbei. Die Süd-Hunnen gingen später im chinesischen Volkstum auf.
  • Das vierte bestand aus dem Herrschaftsgebiet der Tabgatsch.
  • Das fünfte bestand aus dem Gebiet der Tuyuhun, die im tibetischen Bergland eine Hochburg hatten.

Alle Gründungslegenden der Alttürken sind allein aus chinesischen Quellen überliefert worden. Erste eigene Ursprungslegenden tauchen erstmals in den alttürkischen Inschriften des Kül-Tegin auf, in der die Alttürken nur als „Blau-Türken ohne feste Klanordnung“ (idi oqsız kök türk) bezeichnet werden und in denen er sich auf die Zeit vor 552 bezieht.

Spätere Turkvölker wie die Uiguren nannten die alttürkischen Stämme nur noch türk, wie uns eine uigurische Inschrift bezeugt: bu qamuğ türk budun <=> „das ganze Türken-Volk“.

 

Aufteilung des ersten Göktürken-Reichs (581–603)

581 chinesischee Diplomatie kräftig schürte. Der Osttürke Shetu Baga Yshbara (reg. 581-87) sagte sich 584 endgültig vom Gesamtreich los und das Reich der Göktürken zerfiel nun in zwei verfeindete Teilstaaten, die von der chinesischen Sui-Dynastie gegeneinander ausgespielt wurden. Yshbara herrschte nur formal über die östlichen Göktürken, da er mit Abo Khagan einen „Schattenherrscher“ eingesetzt hatte. Abo suchte nun auch seinerseits den engen Schulterschluss mit der chinesischen Sui-Dynastie und wollte Yshbara absetzen lassen.

Darauf hin zog Yshbara gegen Abo in den Krieg und tötete dessen Mutter; Abo selbst floh zu den Westtürken unter Tardu. Ein wenig später konnten sich Abos engste Freunde und Verbündete in den Machtbereich Tardus retten, nachdem Yshbara begonnen hatte, alle möglichen Rivalen um die Macht auszuschalten beziehungsweise zu ermorden. Diese Flüchtlinge waren: Tanhan Khagan und dessen Onkel Diqin Shad.

Gegen 583 zogen Tardu und Apo mit 100.000 Mann und in enger Zusammenarbeit mit den Kitan gegen Yshbara. Dieser ersuchte nun offiziell die Sui-Chinesen um Waffenhilfe, die ihm aber nur formal erteilt wurde; die Sui-Herrscher wollten sicher sein, dass sie „auf das richtige Pferd“ setzten, zumal Yshbara erst 585 den Lehnseid des chinesischen Kaisers angenommen und zu dessen Vasall aufgestiegen war.

Mangels Erfolgs wandte sich Abo nun gegen Tardu und setzte ihn ab. Dieser musste zu den Sui fliehen. Dort blieb Tardu bis Yshbaras Bruder und Nachfolger Chulo-Khan (587-588) Apo Khagan tötete und er zurückkehren konnte. Da Chulo-Khan kurze Zeit später starb und mit Dulan-Khan und Zhangar Kimin-Khan zwei konkurrierende Herrscher hinterließ, wurde Tardu wieder zum maßgeblichen starken Mann im Türkenreich.

In der Zeit zwischen 590 bis 603 hatte Tardu die meisten Stämme der Göktürken in seinem Reich vereint, so dass das Gesamtreich wiederhergestellt schien. Seinen Erfolg konnte nicht einmal die Niederlage seines Sohnes Shaba Shad mindern, der bei Herat von den Sassaniden geschlagen wurde. Ironischerweise wird eben dieser Shaba in späteren muslimischen Schriften als „der größte Herrscher der Türken“ verherrlicht.

Nun riefen 603 die Sui-Herrscher die östlichen Stämme der Göktürken auf, gegen Tardu vorzugehen und die zeitgenössischen Quellen der Chinesen zählten dabei sieben Stämme namentlich auf. Tardu zog sich geschlagen zu den Tuyuhun ins tibetische Bergland zurück, wo sich schließlich seine Spur verliert. (Die Tuyuhun waren ein kleines erfolgreiches proto-mongolisches Mischvolk, das vermutlich aus der Vermischung der Xianbi mit Tibetern 5977-609, der „Tuli Khan“ westlicher Geschichtsbücher), anzutreten.

 

Timur Lang

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Timur-e Lang, persisch: تیمور لنگ , eigentlich Timur-e Gurkāni, تيمور گوركانى, ursprünglich aus dem mongolischen kürügän, "Schwiegersohn", als Anspielung auf die Heirat Timurs in die Familie Dschingis Khans - (*1328 in Kesh, heute Shaxrisabz; † 18. Februar 1405 in Schymkent) - war ein mongolischer Eroberer am Ende des 14. Jahrhunderts und der Gründer der Timuriden-Dynastie. Manchmal findet sich als Geburtsdatum der 8. April 1336, das ist aber ein nachträglich geschöntes Datum, das einer besonders glückverheißenden astrologischen Konstellation entspricht.

Alternative Aussprache- und Schreibweisen seines Namens sind u.a.: Timur-i Lenk, Timur Läng, Timur Khan, Amir Temur oder - lateinisiert - Tamerlan.

Leben

 

Herkunft und Aufstieg

Timur (tschagataisch: „der Eiserne“) erhielt den persischen Beinamen Lang („der Gelähmte“). Aufgrund einer Verwachsung an der rechten Kniescheibe (Knochentuberkulose lt. sowj. Forschern) war er von einer Lähmung des rechten Beines betroffen, dazu kam eine Verwachsung an der rechten Schulter, des weiteren hatte ein Pfeilschuß die Beweglichkeit der rechten Hand eingeschränkt, wie sowjetische Wissenschaftler bei einer Untersuchung des Skelettes im Jahre 1941 bestätigten. „Timur der Lahme“ wurde in Europa zu dem hier gebräuchlichen Namen Tamerlan verkürzt.

 

Timur entstammte dem im 14. Jahrhundert in Transoxanien eingewanderten türkisierten Mongolenstamm der Barlas, sein Vater war Stammesfürst. Seine Anfänge liegen in einer Tätigkeit als Räuber und Pferdedieb, was in den transoxanischen Bürger- und Stammeskriegen nach der Hinrichtung des Khan Tarmaschirin (regierte 1327341346657) nicht unüblich war.

Er stieg im Dienst des Tschagatai-Khans13633) auf und erlangte zwischen 1364 und 1370Hussain, ermordet 1369) die Herrschaft über Transoxanien.

Merkmale seiner Herrschaft

Timur heiratete in das Haus Tschagatais, d.h. die Familie Dschingis Khans ein und wollte allem Anschein nach dessen Reich unter dem Vorzeichen des Islam erneuern. Ein Khan wurde er nie, er hatte stattdessen zwei Khane aus dem Haus Tschagatai zu seiner Legitimation eingesetzt. Als „Emir“ beanspruchte er allerdings aufgrund der Heirat mit Sarai Mulk den Titel Gurgani (benutzt im Sinne von „Königlicher Schwiegersohn“, mongolisch: güregen - „Schwiegersohn“).

Der Herrscher vollendete die Islamisierung der in Zentralasien eingewanderten Mongolen, die allerdings schon unter Tarmaschirin ihren Höhepunkt erlebt hatte. In der Theorie galt in seinem Reich die mongolische Jassa, in der Praxis eher die Schari'a, das islamische Gesetz. Persönlich war er von einer volkstümlichen Frömmigkeit, die sich damals in Derwischorden und Qalandaren niederschlug, und wurde auch zu Füßen eines Derwischs begraben. Er gilt als Sunnit, aber das Verhältnis ist widersprüchlich, denn in Syrien trat er als Schirmherr der Schia auf. Zudem hielt er an turkomongolischen Traditionen fest, auch wenn sie mit der Schari'a im Widerspruch standen.

 

Der Emir schuf eines der größten und kurzlebigsten Reiche, die jemals in Mittelasien existierten. Dabei erlangte er den Ruf eines skrupellosen Eroberers, der die Bevölkerung in den eroberten Gebieten und Städten zu hunderttausenden ermorden (u.a. in Indien und Georgien) und Aufstände gnadenlos unterdrücken ließ. Beispielsweise wurden bei der Eroberung von Isfahan 1387 laut Hafiz-i Abru 28 Schädeltürme auf einer Stadtseite gezählt, so dass man durchaus von einer Zahl von 70 000 Toten ausgehen kann. In der Stadt Isfizar ließ er z.B. 2000 Menschen lebendig einmauern.

Transoxaniens durch eine Flut an gestohlenen bzw. entführten Tieren, Waffen, Lebensmitteln, Gebrauchsgütern, Theologen, Gelehrten und Handwerkern zu heben..

Das "Zentrum der Welt" - seiner Welt - Buchara und Samarkand wurden prachtvoll ausgebaut. In Mittelasien entstand in der Folge ein eigener (der timuridische) Architekturstil (Gur-e Amir, Bibi Chanum-Moschee usw.). Persien war für ihn dabei offenbar Inbegriff aller Kultur, denn der persische Geschmack war vorherrschend. Die Hauptstadt war Samarkand im heutigen Usbekistan. Dort empfing er unter anderem eine spanischeMing-China, letzteres um sich in seinen unablässigen Kämpfen den Rücken freizuhalten..

 

 

Überblick der Eroberungen

Seit 1380 begann er die Eroberung des Südens von Khorasan, Mittel- und West-Persiens und des Irak, wobei die lokalen Dynastien wie die Kartiden, Sarbadaren, Muzaffariden und Dschalairiden beseitigt wurden. Bereits 1394 kontrollierte Timur ein Gebiet, das sich von Teilen des heutigen Iraks mit Bagdad, Iran (das damalige Persien), Aserbaidschan, Usbekistan, Armenien und Georgien erstreckte. Im Osten erreichten seine Truppen über das restliche Tschagatai-Gebiet in Moghulistan die Grenze zur Mongolei (ca. 1389).

In den Jahren 1391 und 1395 errang Timur entscheidende Siege über die Mongolen der Goldenen Horde unter Toktamisch, deren Reich danach unaufhaltsam zerfiel. 1398 eroberte er Delhi, 1401 fielen Damaskus sowie Bagdad in seine Hände und 1402 besiegte er -zu dem Zeitpunkt schon fast blind- den Osmanen-Sultan Bayezid I. bei Ankara, wo dessen Truppen zum Teil überliefen. Bayezid wurde gefangen und Timur wurde nun auch in Europa "berühmt".

Entscheidend dabei ist, daß Timur außerhalb seines Kernlandes keine geregelte Verwaltung hinterließ, d.h. er setzte einige seiner Nachkommen als Fürsten in Persien und Mittelasien ein, beließ aber die Gebiete in Südrußland und Moghulistan bei mongolischen Prinzen und machte auch keine Anstalten zur Verwaltung des Vorderen Orients.

Als ein letztes Problem sah Timur seine allerdings unbedeutende Vasallen-Stellung gegenüber dem Kaiserreich China der Ming-Dynastie, dem er eine Zeitlang Tribut hatte zahlen müssen. 1405 brach er mitten im Winter zum Feldzug nach China auf, starb aber in der Nähe des heutigen Schymkent in Kasachstan nach einem mehrtägigen Alkoholexzess. Er wurde in Samarkand bestattet, sein Mausoleum Gur-e Amir ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler dieser Stadt. Sein Reich zerfiel bald in Nachfolgestreitigkeiten und die mühsam besiegten Staaten wurden wieder unabhängig.

 

Vermächtnis

Sämtliche Bemühungen Timurs hoben das Niveau Transoxaniens nur einige Generationen hindurch, denn letztlich wogen die Zerstörungen der Nachbarländer schwerer und hatten zur Folge, dass das Europa der Renaissance mit der islamischen Welt gleichzog. Die Parallelen in der Geisteshaltung seines Urenkels Babur und eines Machiavelli geben ein kleines Beispiel davon.

Die von Timur begründete Dynastie der Timuriden herrschte bis Anfang des 16. Jahrhunderts in Transoxanien (bis 1500/01) und Khorasan (bis 1507). Sein Urenkel Zaher ud-Din Muhammad Babur gründete 1526 das Mogulreich in Indien.

Aber auch darüberhinaus diente Timur zur historischen Legitimation diverser Herrscher. Er gilt trotz aller Verbrechen und trotz seines eingeschränkten politischen Weitblicks im heutigen Usbekistan als eine Art Nationalheld.

Timur ist immer wieder musikalisches Sujet gewesen: Georg Friedrich Händel schrieb die dramatische Oper Tamerlano (Libretto von Nicola Francesco Haym), Rudolf Nelson die Musik und Kurt Tucholsky den Text zu einem gleichnamigen Kabarett-Song („Mir ist heut so nach Tamerlan zu Mut – ein kleines bisschen Tamerlan wär gut“).

 

Literatur

  • Tilman Nagel; Timur der Eroberer, München 1993
  • Beatrice Forbes Manz; The Rise and Rule of Tamerlane, Cambridge University Press 1989

 

Weblinks

Commons: Timur – Bilder, Videos oder Audiodateien

Personendaten

Von „;http://de.wikipedia.org/wiki/Timur_Lang

 
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